8. Feb 2010  •  Michael Hartl  •  Kategorie: news  

Das Projekt pig-vision hat sieben Monate lang das Leben von zwei Schweinen beobachtet. Zwei Brüder, deren Leben unterschiedlicher nicht hätte verlaufen können. Wenn Du noch nicht weißt, worum es in diesem Projekt eigentlich genau ging, wird Dir dieser Artikel weiterhelfen können.

In dieser Video-Gegenüberstellung möchten wir Euch nun am Ende des Projekts nochmals rückwirkend einen Überblick über das Leben der beobachteten Schweine geben. Dazu zeigen wir hier mit einem kleinen Teil der entstandenen Videos die wichtigsten Stationen im Leben der beiden.

X15 – Das Schwein in der Mast Jackpot (X11) – Der Gerettete
26. Juni 2009: Die Geburt der beiden Ferkel (und ihrer Geschwister)
27. Juni 2009: Die beiden Ferkel sind wenige Stunden alt
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    22. Okt 2009  •  Michael Hartl  •  Kategorie: AUFZUCHT, GEBURT, Kastration, LEBEN, MAST  

Für alle, die jetzt erst das Projekt entdeckt haben und einen Überblick wollen und für alle, die ein Video zum Weiterleiten und empfehlen suchen, wird jetzt in diesem kurzen Video die Kampagne pig-vision von United Creatures vorgestellt. Ursprünglich für ein Tierschutz-Event der Grünen erstellt, soll mit diesem Kurzfilm ein erster Einblick in das Leben der Schweine in Österreich gegeben werden.

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    29. Jun 2009  •  Elisabeth Sablik  •  Kategorie: GEBURT  

Schon eine Woche vor der Geburt von X15 und X11 kam das Mutterschwein in eine sogenannte Abferkelbucht. Dort sperrt man sie in ein „Abferkelgitter“, ein körpergroßes Metallgitter. Dieses Metallgitter – 65 cm breit und 190 cm lang- ist wahrhaftig ein Gefängnis – gerade so groß wie das Schwein selbst. Derart eingezwängt, muss sie ihre Kinder zur Welt bringen – auf nacktem Betonboden und eingepfercht in ein Gitter.

In freier Natur bauen Schweinemütter große bequeme Nester, um dort eingebettet die Babies zu Welt zu bringen. Dazu heben sie zunächst eine Grube aus und tragen dann Unmengen an Ästen und weichem Material für das Nest zusammen. In österreichischen Schweinebetrieben, so wie auch in dem hier dokumentierten Betrieb, gibt es keine Möglichkeit ein Nest zu bauen. Das wäre ja nicht „wirtschaftlich“, aus der Sicht des Züchters. Trotzdem zeigen die Schweine oft Nestbauverhalten, d.h. sie graben oder kratzen mit den Beinen am Boden. Aber diesem Grundbedürfnis können die Mutterschweine in herkömmlichen Betrieben nicht nachgehen.

Wenn die Ferkel zur Welt kommen, ist es der von Natur aus sehr fürsorglichen Mutter daher auch unmöglich, sich um ihre Babies zu kümmern. Eingezwängt liegt sie in dem Gitter, kann sich nicht rühren. Die Ferkel können unter den Metallstangen zum Gesäuge der Mutter kommen. Die industrielle Tierhaltung befürchtet, dass ohne Abferkelgitter die Mutter eines der Kinder totbeißen oder beim Niederlegen zerdrücken könnte. Was kein Wunder wäre, bei dieser Haltung! In freier Natur, bei ausreichend Platz und einer wirklichen Beziehung zwischen Mutter und Kind passiert das jedenfalls erwiesenermaßen nicht.

Aber es geht hier, bei genauerem Hinsehen, ja auch wiederum nur um wirtschaftliche Produktion, um Kostenminimierung und Gewinnmaximierung, das Wohl der Tiere ist zweitrangig.

Im Video von der Geburt sieht man deutlich diese Kosten/Nutzenrechnung: Die Ferkel werden geboren und liegen sofort auf dem Vollspaltenboden, am kalten nackten Beton – und die Mutter kann ihnen nicht helfen. Die Mutter möchte Kontakt zu ihren Kindern, sie beschnuppern, lecken, aber all das bleibt ihr verwehrt.

Gruppenhaltung
In dem Betrieb, in dem X15 und X11 zur Welt gekommen sind, dürfen die Muttersauen zeitweilig in einer Gruppenhaltung leben. Ab 2013 ist die Gruppenhaltung von Sauen in Österreich durch das Gesetz sogar für alle Betriebe vorgeschrieben.

Aber was bedeutet diese scheinbare Verbesserung wirklich?
Da es weiter verschiedenste Ausnahmen geben wird, bedeutet dies im Endeffekt, dass sich das Zuchtschwein in einem Zyklus von Geburt bis zur nächsten Geburt 11 Wochen frei bewegen darf, aber 9 Wochen noch immer ihr tristes Dasein im Kastenstand fristet. Fast die Hälfte ihres Lebens werden die Zuchtschweine also auch weiterhin in Einzelhaltung, in einem Gitter eingepfercht leben müssen.

Bei der hitzigen Diskussion über diese sogenannten Verbesserungen, gegen den massiven Widerstand der Landwirtschaft geht oft die zentrale Frage unter:

Was, außer das Recht des Stärkeren, lässt uns diese intelligenten, freundlichen Lebewesen zu reinen, gequälten Geburtsmaschinen degradieren?

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    27. Jun 2009  •  Michael Hartl  •  Kategorie: GEBURT  

Am 26. Juni in aller früh kamen neun Ferkel zur Welt. Gestern gab es die ersten Fotos, jetzt zeigen wir einen Ausschnitt aus den Video-Aufnahmen.

Zwei dieser Ferkel werden wir länger intensiv begleiten. Wir nennen sie X 11 und X 15 – beides Geschwister, eben erst auf die Welt gekommen.

X 15 wird sein Leben in einer gewöhnlichen österreichischen Schweinemastanlage verbringen.
X 11 wird dagegen nach den ersten Wochen bei seiner Mutter auf einen Gnadenhof ziehen und dort aufwachsen.

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    26. Jun 2009  •  Michael Hartl  •  Kategorie: GEBURT  

Heute früh war es so weit: Die kleinen Ferkel sind auf die Welt gekommen. Hier nun die ersten Fotos der neun Geschwister:

Sau im Kastenstand

Ferkel säugen

Ferkel auf Spaltenboden

Weitere Fotos der frisch geborenen Schweinchen gibts auf unserer Flickr-Seite im Album “Die ersten Wochen”.

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    15. Jun 2009  •  Michael Hartl  •  Kategorie: interviews  

Im ersten Video-Interview für pig-vision erzählt Elisabeth Sablik wie sie und der Verein gegen Tierfabriken zur heute üblichen Form der Schweinehaltung stehen. Und wie es besser gemacht werden könnte.

Eine ausführliche Version des Interviews findest Du in unserem YouTube-Channel.

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    11. Jun 2009  •  Anna Reiter  •  Kategorie: GEBURT  

Wenn sie nicht in den mechanisierten Produktionsabläufen der Massenproduktion gefangen sind, leben Schweine in engen Gruppen. Dort hat eindeutig die Bache, das Muttertier, das sagen. Die Schweine-Männer (Keiler) leben ab ihrer Geschlechtsreife meist als Einzelgänger.

Hat ein Keiler (und damit meine ich keinen Versicherungsvertreter) sich gegen seine Kontrahenten durchgesetzt, hat er Zugang zu den paarungsbereiten Schweinemädels, wobei die Damen – ziemlich emanzipiert, die Schweinedamen – den Zeitpunkt der Begattung (Beschlag) bestimmen. Dieser Zeitpunkt befindet sich im Zeitraum der Empfänglichkeit zwischen den einzelnen Zyklen. Bis zum Zeitpunkt, wo ein Weibchen die Paarung zulässt (vielleicht muss der Keiler auch was gleichschauen?) muss ein Schweineherr einem Schweinemädl folgen, um im entscheidenden Moment (Romantik gefragt) anwesend zu sein. In der Regel begattet ein Keiler, wenn es soweit ist, ALLE paarungsbereiten Weibchen der Rotte (whow, reden wir von einem Schwein oder von einem Gigolo?). Der Keiler prüft die Paarungsbereitschaft, in dem er seinen Kopf unter den Bauch eines Weibchens schiebt und ihr durch leichte Hiebe (SadoMaso) die Flanken massiert. Ein bissl Macho gefällt halt auch einer Sau.

Entzieht sich das Weibchen dem Keiler, so folgt er ihr und wiederholt das Ritual. Gibt die Schweinedame am Ende nach, so kommt das, was fast alle Lebewesen dieser Erde auf ihre Art tun. Die Kopulation dauert für gewöhnlich einige Minuten (wie Männer halt so sind), bei der beachtliche Mengen an Sperma abgegeben werden.

Nach gut drei Monaten werden die Kinder geboren.

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    3. Jun 2009  •  Manfred Haberer  •  Kategorie: GEBURT  

X15 ist ein männliches Ferkel, dessen Vater ein Landrasse-Eber und dessen Mutter eine Edelschwein-Zuchtsau ist. Sein ungeborenes Leben begann am 02.03.2009 mittels künstlicher Besamung seiner Mutter. Doch schon davor war sein Leben das Produkt einer umfangreichen generalstabsmäßigen Planung.

In größeren Schweinebetrieben, wie der, in welchem X15 das Licht der Welt erblicken wird, ist die künstliche Besamung ein terminorientierter Ablauf. Somit kann man im Betrieb die einzelnen Stallabteilungen wie Deckstall, Wartestall oder Abferkelstall im sogenannten Rein-Raus-Verfahren bewirtschaften, das heißt, Gruppen von Schweinen werden je nach Produktionsstufe in die entsprechenden Stallabteilungen ein- bzw. ausquartiert.
Diese terminorientierte Besamung bei einer Gruppe von Schweinen bezeichnet man auch als Brunstsynchronisation, die Gleichschaltung des Auftretens der Brunst. Vorrausetzung dafür ist die Verabreichung einer Hormoninjektion an die Zuchtsauen, was besonders beim Frühabsetzen erforderlich ist. Frühabsetzen heißt, dass die Saugferkel – die noch säugenden Ferkel – bereits im Alter von 3 Wochen vom Muttertier getrennt werden.
Durch diese Hormonbehandlung könnte die Mutter von X15 nach bereits 4 bis 7 Tagen nach der Trennung von ihrem Ferkel erneut besamt werden.

Die Gesamtheit des Sexualzyklus wird bei der Sau als Rausche bezeichnet. Zum Beginn der Brunst produzieren reifende Follikel große Östrogenmengen, die das Sexualverhalten stimulieren. Um die Bereitschaft zur Paarung (Brunst) bei der Mutter von X15 zu überprüfen, ließ man einen sogenannten Sucheber im Deckstall, der ersten Stallabteilung im Produktionszyklus der Schweineerzeugung, patrollieren. Bei der Sau, die für den Deckakt bereit ist, bleibt dann der Sucheber stehen, man spricht von der Duldungsphase.
Denn wird die Zuchtsau zu einem zu frühen Zeitpunkt künstlich besamt, kann es passieren, dass die Zuchtsau erfolglos belegt wird und die Brunstsymptome kehren wieder, man spricht vom Umrauschen. Erfolgt die künstliche Besamung zu spät, wachsen lebensunfähige Embryonen heran.
So erfolgte bei der Mutter von X15 während der Duldungsphase die künstliche Besamung zweimal im Abstand von 12 Stunden, da nur dadurch wegen der unterschiedlichen Dauer der Duldungsphase eine optimale Befruchtung nach Östrusbeginn, der Brunst, zu sichern ist.

Nach der künstlichen Besamung wurde das Muttertier in einem ruhigen Wartestall, der nächsten Stallabteilung im Produktionsprozess, untergebracht, „aufgestallt“, da Ruhe und Absonderung der Muttertiere für das Heranwachsen der Embryonen sehr förderlich ist.
In der Regel ist eine Zuchtsau mindestens zwei Mal pro Jahr trächtig, statistisch gesehen 2 ¼-mal pro Jahr. X15 wird nach einer Trächtigkeitsdauer von 114 Tagen, plus minus 4 Tage, Ende Juni 2009 das Licht der Welt erblicken.
Er wird dann in einem geschlossenen Betrieb geboren werden, das heißt, dass dieser Betrieb keine Schweine von anderen Betrieben zukauft, selbst Jungsauen produziert und den anderen Teil der Ferkel mästet.

In diesem Schweinebetrieb gelten strenge Hygienemaßnahmen. Der Betrieb ist klimatisiert und besitzt eine Personalschleuse. Nur über diese Schleuse werden die Stallungen betreten, und dies ist nur dem Betriebspersonal und dem Tierarzt gestattet. Das Tragen von betriebseigener Schutzkleidung gehört zum Hygienemanagement. Standardimpfungen in diesem Schweinebetrieb sind die Vorsorge gegen die Krankheiten Parvovirose und Rotlauf sowie Rhinitis. Außerdem werden die Ferkel gegen Mykoplasmen, das sind Bakterien, welche die Lunge angreifen, durch Schutzimpfungen geschützt.
X15 wird dann in diesem Betrieb bis zum Erreichen des Mastgewichtes von 110 kg Körpergewicht aufgestallt bleiben.

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    26. Mai 2009  •  Michael Hartl  •  Kategorie: GEBURT  

Schweine "decken"

Künstliche Befruchtung einer Sau

Knapp vier Monate bevor die kleinen Ferkel auf die Welt kommen, muss die Sau schwanger werden. Was früher ein Eber erledigt hat, wird heute durch den Schweinezüchter in Person übernommen. Künstliche Befruchtung. Mit Sperma aus einem Spezialbetrieb.

Das bedeutet, dass auch die Mutter von X 11 und X 15, den beiden Ferkeln, die wir im Laufe dieser Kampagne über Videos und Fotos begleiten werden, geschwängert wurde. Die geschah im selben Betrieb, in dem die Schweine auch aufwachsen werden. Das ist nicht überall so. Immer öfter spezialisieren sich Betriebe, um mehr Geld verdienen zu können.

So gibt es mittlerweile Betriebe, die nur Züchten. Die haben also viele Sauen, und decken die, wie das Schwängern bei Schweinen genannt wird. Nach knapp vier Monaten kommen dann die Ferkel zur Welt, die dann rund drei Wochen bei der Mutter bleiben dürfen. Dann werden sie von ihr getrennt und kommen in die sogenannte Ferkelaufzucht.

Dies ist häufig ein anderer Betrieb, der die Ferkel von rund 8 kg Gewicht auf 30 kg aufzieht. Dann gehen die Jungschweine in den nächsten Betrieb, wo sie bis zu Schlachtung gemästet werden. Auf rund 120 kg.

Betriebe wie der, in dem wir X 15 und X 11 kennen lernen werden, nennen sich „geschlossene Betriebe“. Diese übernehmen noch alle gerade erklärten Stationen selbst.

Die Muttersauen werden übrigens wenige Tage, nachdem sie von ihren Ferkeln getrennt wurden, wieder geschwängert. Denn die Schweinezucht ist nur gewinnbringend, wenn die Sauen mehr als zwei Mal im Jahr Junge bekommen. Und das kann wiederum nur erreicht werden, indem die Ferkel nach der gesetzlichen Mindestzeit von drei Wochen von der Mutter wegkommen und sie so schnell als möglich erneut geschwängert werden.

Lange machen Muttertiere diese Verwendung als Gebärmaschine aber nicht mit, und so werden sie häufig nicht sehr alt.

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