Wie wir die Schlachtung erlebt haben

Eine unangenehme Kälte und die Dunkelheit eines frühen Wintermorgens erwarten uns, als wir das Haus verlassen. Es ist der 28. Jänner 2010 und wir sind auf dem Weg zu X15 um seinen letzten Gang – zur Schlachtbank – zu dokumentieren. Mit einem mulmigen Gefühl in der Bauchgegend gehen wir zum Auto und fahren los. Dunstiger Nebel liegt über den Straßen. Die Schweinemast, in der X15 auf Vollspaltenboden und ohne Auslauf lebt, ist ein gutes Stück entfernt.

X15 ist einer von zwei Schweinebrüdern, die wir nun seit ihrer Geburt im Juni 2009 beobachten. Mit Fotos und Videos haben wir ihr Leben dokumentiert. Zwei Leben, die unterschiedlicher fast nicht sein könnten. X11, der mittlerweile Jackpot heißt, hatte nur die ersten drei Wochen ein Leben, wie es für Mastschweine üblich ist: Vollspaltenboden, kein Zugang zum Freien, kein Stroh, niemals wühlen oder im Schlamm baden. Nach drei Wochen wurde Jackpot auf einen Gnadenhof gebracht, und lebt dort bis heute ein glückliches Leben; er hat alles, was einem Schwein auf Grund seiner Natur zustehen sollte.

X15 hingegen hat alles durchlebt, was einem Schwein in der Kette der industriellen Schweinefleischproduktion zustößt. Wie ihm, ergeht es über 98 Prozent der 5,3 Millionen Schweine die in Österreich jedes Jahr gezüchtet, gemästet und getötet werden. Die letzten sieben Monate hat X15 in einer Halle verbracht. In einer Halle mit Vollspaltenboden waren seine einzigen Beschäftigungen: Essen, Trinken und Schlafen. Und aus dieser Halle wird X15 heute heraus getrieben, in einen Transporter gepackt, zum Schlachthof gefahren und dort getötet.

Als wir bei der Schweinemast ankommen, begrüßen wir kurz die Mäster, den begleitenden Tierarzt und den Schlachter, der in diesem Fall selbst den Transport übernimmt. Wir ziehen uns Hygienekleidung an. Immerhin wollen wir mit in die Masthalle, aber dabei keine Schweine gefährden, indem wir Krankheitserreger einschleppen.

Die Mäster selbst ziehen keine Hygienekleidung an, als sie mit uns in den Stall gehen. Gegen deren Krankheitserreger seien die Schweine immun, wird uns erklärt.

X15 steht in der selben Bucht, in der er seit vier Monaten gemästet wird. Er weiß nicht, was passiert und so läuft er auch nicht schnurstracks nach draußen zum Transporter, sondern muss getrieben werden. Er bleibt bei anderen Buchten stehen und beschnüffelt durch die Gitter seine Leidensgenossen, die im Gegensatz zu ihm noch einige Zeit dort bleiben müssen. Aber für solche Neugier ist keine Zeit. Die Mäster treiben das Schwein weiter. Mit Druck durch eine Platte, die in etwa so breit ist, wie der Gang zwischen den Buchten, und durch ein ständiges Klopfen mit der Flachen Hand auf den hinteren Rücken von X15. Er geht weiter. Draußen angekommen, irritieren ihn die helle Sonne und die frische Luft; er hat Angst vor der Laderampe des Transporters – blockiert. Erst hilft kein Schieben und kein Drängen – aber mit genügend Druck wird auch X15 auf den Transport-Anhänger gebracht.

Der Transporter wird geschlossen und die Fahrt zum Schlachthof beginnt.

Diese Menschen führen wohl jedes Schwein der von ihnen angedachten „Verwendung“ zu. Ob es freiwillig in den Transporter läuft, oder ob man sanft oder mit Gewalt nachhelfen muss. Als ob ein Schwein oder ein anderes Lebewesen von Geburt an einen Verwendungszweck hätte…..

Etwa eine halbe Stunde später erreichen wir den Schlachthof. Es ist ein kleiner Betrieb am Land. Ein Schlachtraum, der nur ein bis zweimal pro Woche verwendet wird. Somit bleiben X15 wenigstens die Hektik und der Lärm eines großen Schlachthofs erspart. Die Schlachter richten den Schlachtraum her und holen dann X15.

Doch X15 hat anderes im Sinn. Als sie den Transporter öffnen, ist X15 mit dem Häufchen Stroh beschäftigt, dass er im Anhänger gefunden hat. Er sieht, riecht und schmeckt zum ersten Mal in seinem Leben Stroh. Davon will er sich nicht trennen lassen. Immer wieder schnappt er sich etwas davon. Dreht sich nochmal um und fährt wieder mit der Schnauze durchs Stroh.

Aber auch diesmal sind die Schlachter stärker. Ein Seil wird um den Oberkiefer des Schweins geknotet. Mit ständigem Druck gegen seine Flanke und kräftigem Anschieben wird er ebenso gegen seinen Willen aus dem Transporter heraus geschoben, wie zuvor hinein.

Je näher wir dem Ort kommen, an dem regelmäßig Schweine durch Menschenhand sterben müssen, umso mehr wehrt sich X15. Er will dort nicht hinein. Ob es Angst vor dem Unbekannten ist, oder ob er etwas ahnt, wissen wir nicht, aber wir sehen seinen panischen Blick und den Schaum, der aus seinem Mund läuft. Er stemmt sich dagegen, aber zwei Männer sind stärker als ein Schwein, dass noch nicht einmal seine Jugend hinter sich gebracht hat. Fast noch ein Kind – ganz allein gegen zwei erwachsene Männer.

Mit aller Kraft wird X15 in die Mitte des Schlachtraumes geschoben. Sein Kopf wird fixiert. Ein Mann beugt sich über ihn und setzt das Bolzenschußgerät an X15s Stirn an. Ein letzter verwirrter Blick, ein gehetzter Atemzug und das Scharren der Beine am Boden. Vergeblich ist der Widerstand. Laut hallt der Knall von den Wänden des Schlachtraumes wider. Der Bolzenschuß lässt X15 buchstäblich zu Boden fliegen. Seine Beine zucken. Sofort wird eine Kette um sein Bein gelegt und er wird nach oben gezogen. Tiere werden kopfüber hängend getötet. Damit das Blut schneller aus dem Körper fließt.

Auf halber Höhe fängt X15 aber plötzlich wieder zu zappeln an. Er rutscht aus der Kette, knallt mit seinen 120 kg auf den Boden. Er liegt auf der Seite und beginnt wie wild zu treten. Wirft sich hin und her. Blut verschmiert sein Gesicht.

Das soll also die „schnelle und schmerzlose“ Tötung eines Tieres sein? Wenn solche Fehler, die das Leid vergrößern, auch bei nur jedem tausendsten Tier passieren, dann sprechen wir allein von 5.300 Schweinen, die pro Jahr in Österreich dermaßen qualvoll sterben müssen.

Ein Schlachter fixiert nochmals X15s Kopf, indem er auf das Seil tritt, welches an seinen Oberkiefer gebunden ist. Damit wird sein Kopf auf den Boden gepresst. Der zweite Schlachter nimmt ein scharfes Messer und sticht X15 in die Kehle.

Gurgelnde Geräusche. Blut spritzt im Rhythmus des Herzschlages aus seinem Hals. Eine Blutlache bildet sich langsam um seinen Kopf. Begleitet durch das Röcheln zucken X15s Beine weiterhin wie wild. X15 ist weder betäubt, noch wird er schmerzlos getötet. Die Gesichter der Schlachter drücken eine Mischung aus Schreck, Unsicherheit und Verlegenheit aus. Weil wir mit Kameras dabei sind? Oder erinnern solche Situationen zu stark daran, dass es sich nicht um eine bewegliche Fleischmaße handelt, sondern um ein fühlendes Lebewesen? Wir wissen es nicht.

Im Lauf einer langen Minute werden das Röcheln und die Fußbewegungen immer schwächer. Hören letztlich ganz auf. X15 wird jetzt wieder die Kette ums Bein gelegt und sein Körper nach oben gezogen. Das restliche Blut soll noch aus seinem Körper fließen. Während er so hängt, sein letztes Röcheln von sich gibt und mit Wasser sauber gespritzt wird, stirbt X15.

Ein langer und mit Sicherheit schmerzvoller Tod. Ein einzelnes Individuum. Jeder der Schweine in einem Umfeld erlebt hat, welches ihnen erlaubt, ihre Persönlichkeit zu entwickeln, weiß, dass sie alle unterschiedlich sind. Ebenso wie Hunde, Katzen oder Menschen jeweils ihren eigenen Charakter haben. Ein fühlendes Lebewesen mit einem eigenen Bewusstsein. Hingerichtet. Für das Verbrechen, ein Schwein zu sein? Ein junges Schwein. Sieben Monate alt und 120 Kilogramm schwer. Älter als diese paar Monate darf ein Schwein in diesem wirtschaftlichen System nicht werden, wenn Menschen es aufessen wollen. Denn ab 120 Kilogramm benötigt jedes weitere Kilo mehr Futtereinsatz – und kostet damit mehr. Die Konsumenten verlangen nach billigem Fleisch.

Wir können irgendwie nicht wirklich wütend auf die Schlachter sein – selbst in diesem Moment im Schlachtraum nicht. Wir sind eher verstört, denn die beiden Schlachter sind im Gespräch davor und danach auf ihre Art sehr nett. Und dennoch schalten sie regelmäßig ihr Mitgefühl einfach ab, blenden aus, dass es sich hier um empfindsame Lebewesen handelt und töten ein paar Schweine. So wie sie es schon immer gemacht haben. Sie vollziehen den Akt der größtmöglichen Gewalt – der Beendigung eines Lebens. Etwas, dass kein Mensch rückgängig machen kann.

X15 ist aber mehr, als dieses Schwein, das heute sterben musste. X15 ist ein Symbol für alle Schweine, die im Auftrag der FleischesserInnen gezüchtet, ohne Betäubung kastriert, gemästet, transportiert und getötet werden. X15 steht für die 5,3 Millionen Schweine in Österreich. X15 steht für die 50 Millionen Schweine in Deutschland. 250 Millionen in der EU und für 1,2 Milliarden Schweine jährlich auf diesem Planeten.

In Summe tötet unsere Gewohnheit Fleisch zu essen weltweit mehr als 55 Milliarden Tiere. Jedes Jahr! Auch dafür steht X15. Klingt schlimm und grausam findest Du? Es gibt viele Wege allen weiteren X15s so ein Leben zu ersparen. Dadurch, das Fleisch gekauft wird, wird eine Nachfrage danach erzeugt. Somit werden auch weitere X15s getötet. Wir überlassen Dir des Rätsels Lösung und wünschen Dir eine große Portion Mitgefühl und Mut zum Handeln. Denn das, und noch viel mehr, sind wir allen Tieren schuldig.

Michael Hartl
Kampagnenleiter pig-vision

Robert Kresse
Kampagnenteam pig-vision

    Kategorie: news, SCHLACHTUNG  |  Tags: , ,

    Kommentare

    27 Kommentare zu “Wie wir die Schlachtung erlebt haben”
    1. Mari*us sagt:

      Vielen Dank für euren Einsatz! Ich bin sehr froh, dass ich eure Kampagne verfolgen konnte und ziehe meinen Hut vor eurem Mut X15 bis zum Tod zu begleiten. Ihr gebt mir die Kraft auch im Kleinen zu wirken.

      Danke,
      Marius Zierold

    2. colux tux sagt:

      respekt vor eurer mühe und schön, dass ihr es trotz zeitweiser zweifel bis hierher durchgezogen habt…

      eure mühe sicher einigen menschen den alltäglichen fleisch-wahnsinn bewusster gemacht

      und wenn ihr mit eurem einsatz auch nur einen einzigen menschen dazu gebracht habt, kein geld mehr für konventionelles fleisch auszugeben, hatte der einsatz einen sinn…

      tröstet euch…x15 hat es endlich hinter sich… um mich emotional zu distanzieren versuche ichs eher als erlösung zu sehen…

    3. carmen sagt:

      ehrfurcht vor dem mut zuzusehen, um uns zeilhaben zu lassen.

      unfassbar der betäubungsfehlversuch, der bestimmt hier nicht d ausnahme sondern die regel ausmacht.

      ich bin nicht gläubig, jedoch hoff ch stark x15 hat es nun besser als auf dieser verschissenen welt

    4. Birgit sagt:

      Hallo,
      ich habs zwar erst gerstern entdeckt bin aber trotzdem begeistert!
      Leider sieht man hier aber einen Vorzeigebetrieb … bei anderen sieht’s schlimmer aus… auch die Schlachtung war ja fast schon human, nicht falsch verstehen, wenn man andere Filme sieht!
      Trotzdem hoffe ich das es was bewirkt!!!
      Macht weiter so!!!
      Vielen Dank

    5. X15 sagt:

      @ Birgit kannst du zu den besagten anderen Videos/Filmen verlinken, danke?

    6. Birgit sagt:

      Hi,
      zB http://www.youtube.com/watch?v=zIfhTk-vmhk dieses Viedeo ist leider ein sehr schönes Beispiel … http://www.youtube.com/watch?v=hWpJO1h7nPI, ich finde es so abartig, dass bei uns in Deutschland ja das schächten verboten ist .. aber wie wir bei x15 ja gesehen haben passiert das jeden Tag weil der Bolzenschuß nicht klappt!!! mehr Videos auf YouTube und bei peta.de…

    7. Susanne Weinstein sagt:

      Huhu, auch von mir ein dickes Lob für das Projekt und die mutige Begleitung von X15. Mir würde es ehrlich gesagt das Herz brechen, ihn beim letzten Gang auf dieser Welt zu begleiten. Aber dort, wo er und seine Kameraden jetzt sind, kann er es nur besser haben. Ich wünsche mir auch ganz doll, dass der Report bei der betroffenen Zielgruppe ankommt und ein Umdenken bewirkt. Danke, dass es euch gibt!!!!

    8. X15 sagt:

      @ Susanne;

      “Aber dort, wo er und seine Kameraden jetzt sind, kann er es nur besser haben.”

      Fleischtheke oder der Kühlschrank eines Konsumenten, liege ich hier richtig…??

    9. Birgit sagt:

      @ X15:
      des war fies, wir wissen doch wie Susanne es gemeint hat ;o)

    10. andrea sagt:

      ich bin durch zufall auf eure seite gestossen und muß euch leider sagen,daß ich die letzten tage den glauben an das gute im menschen verloren hab.
      was da mit den mastschweinen passiert ist schrecklich.ich hätte es sicher nicht geschafft x15 zu begeiten.
      es gibt aber leider noch so viel andere schlimme tiermorde,die schreckliche qualen bis zu ihrem tod leiden müssen,
      wenn ihr auf facebook die seite von kai pflaume anklickt(er ist bei wwf) findet ihr dort videos von hundemorden die ihr euch nicht vorstellen könnt.ich war schockiert und bekomm die bilder nicht mehr aus dem kopf.
      genau so wird es auch x15 gegangen sein.er hatte kein schönes leben,hatte aber seinem menschen vertraut und der hat ihn aufs brutalste ermordet.
      seine letzten bilder die er gesehen hat war der mensch und sein letzter blick drückte 100% unverständniss aus.da kann man wirklich nur sagen “arme sau”.
      ich versteh die welt nicht mehr…..

    11. Biggi sagt:

      Guten Tag! Was mich im Nachhinein ein wenig irritiert, ist die Tatsache dass X 15 offensichtlich das einzige Mastschwein aus dem Betrieb war, das getötet wurde. Kommt mir vor, als ob so das Projektende herbeigeführt werden sollte. Natürlich wäre es nicht besser, wenn er in einen riesigen Transporter mit zig Argenossen gequetscht worden wäre.
      Ich hoffe, es wird nun nicht ein weiteres Projekt mit einem Rind o.ä. Tier geben.

      Gruß
      Biggi

    12. maria sagt:

      ICh glaub eher dass die anderen Schweine schon vorher geschlachtet wurden ;-)!

    13. Elke sagt:

      Es ist richtig und wichtig, dass ihr gezeigt habt, wie es X15 ergangen ist – bis zum Schluss.
      Leider sehen diese Filme mal wieder nur die Leute, die sowieso schon auf Fleisch verzichten.

      Welcher Fleischesser will schon wirklich wissen, wie sein Fleisch einmal gelebt hat und wie es sterben musste?

      Daher wäre es äußerst wichtig, die normale Bevölkerung, die solche Seiten eben nicht aufsucht, zu informieren. Wie man das anstellen soll? Vielleicht öffentliche Filmvorführungen in der Fußgängerzone? Vielleicht haben andere eine bessere Idee?

      Auf jeden Fall: sehr gutes Projekt – Hut ab vor eurem Mut!

    14. Martin sagt:

      Ich lebte ein Jahr auf einem Bauernhof. Zur Selbstversorgung gehörte auch das Schlachten von Schweinen. Ich gehörte zu denjenigen in dieser Großfamilie, die dem Schlachter bei seiner Arbeit halfen. Diese Arbeit war freiwillig. Es wurde keiner dazu gezwungen. Es ist für Euer Anliegen wichtig, wenn sich mal ein „Fleischo“, wie ich es bin, zum Schlachten von Schweinen äußert.

      Ich habe nie innerlich das Essen von Fleisch vom Schlachten eines Tieres getrennt. Eines bedingt das Andere. Fleisch ist kein Lebensmittel wie Milch. Bei Fleisch muß ein Tier sterben. Deshalb war es für mich selbstverständlich dem Schlachter bei seiner Arbeit zu helfen.

      Zu meiner Arbeit gehörte das Heraustreiben der Schweine vom Stall bis zum Schlachtraum. Nach dem Schlachten und der Fleischbeschau reinigte ich den Schlachtraum. Mit dem eigentlichen Schlachten hatte ich nichts zu tun, weil diese Aufgabe den dafür vorgesehenen Berufen vorbehalten ist. Und das ist gut so.

      Schweine sind neugierige Tiere. Das ist schön bei X15 zu sehen. Er beschnuppert seine Artgenossen und erkundet den für ihn bisher nicht zugänglichen Zugang im Stall. Diese Neugier darf er nicht befriedigen. Ich hatte in diesen Situationen einfach abgewartet (Diese Zeit war da!). Meistens läuft das Schwein fast ganz alleine in die richtige Richtung. Notfalls hilft meist ein kleiner Schubs.

      Schweine sind empfindsame Tiere. X15 wendet sich nach rechts, weil ihn die Sonne blendet und „das Draußen“ ungewohnt von links kommt. Er will nicht die ungewohnte Rampe hinauf.

      Diesen Streß des Umladens hatten unsere Tiere nicht, weil der Schlachtraum auf demselben Hof war.

      Unsere Schweine liefen bis zu einer Absperrung im Schlachtraum. Der Bolzenschuß hat eine derartige Gewalt, dass das Schwein augenblicklich in sich zusammenbricht. Die Zappelei von X15 ist nach dem Bolzenschuß völlig normal, weil Chaos im Gehirn ist. Das ist gefährlich, weil die Kraft des Tieres unkontrolliert „um sich schlägt“. Wenn man da nicht aufpasst bricht einem das Tier, oder das Tier sich selbst, die Knochen.

      Nach dem Stich in die Kehle kommt der Tod relativ schnell. Das ist im Video auch gut zu sehen. Ja, Schlachten ist brutal. Ich meine, dass jeder der Fleisch ist, wenigstens einmal beim Schlachten zusehen sollte. Ohne das bewusste Ausblenden von Mitgefühl geht das nicht. Ein Film kann das nicht wiedergeben.

      Dann wird das Tier wie im Film gezeigt zerlegt. Nach dem Schlachten kommt das so gewonnene Fleisch in einen Kühlraum. Nach dem Schlachten kam immer der Fleischbeschauer (Unsere Hausschlachtungen müssen den Behörden gemeldet werden.) an unseren Hof und gab das Fleisch für den menschlichen Verzehr frei.

      Das Fleisch von Schweinen wurde dann von unserer Hauswirtschaftlerin je nach Typ (Schnitzel, Vorderteile, Kotelett, Filet, Innereien usw.) portioniert, einpackt und tiefgefroren.

      Danach war ich für die Reinigung vom Schlachtraum verantwortlich. Überall gab es Blutspritzer und diverse Krümel vom Tier.

      Unsere Schweinemast war ja (fast nur) für unseren eigenen Bedarf. Daher konnten unsere Schweine etwas länger leben. Die Schnitzel waren größer und schmeckten auch viel besser als die vom Markt. Ansonsten war unsere Haltung ähnlich wie bei X15: Es gab aber keine Spaltenböden, dafür hatten die Schweine Stroh.

      Die Meisten von unserem Hof konnten beim Schlachten nicht zusehen, aber sie genossen das so gewonnene Fleisch. Das Eine hatte da mit dem Anderen nichts zu tun.

      Es war von Euch richtig den Alltag der Haltung von Tieren zur Fleischgewinnung in der Öffentlichkeit am Beispiel von X15 zu zeigen. Es ist wichtig, daß Menschen begreifen, daß für jedes Fleisch im Supermarkt oder beim Schlachter/Metzger Tiere sterben müssen. Alleine dieses würde schon viel verhindern.

      Fleisch muß unbedingt wieder etwas Besonderes werden! Es muß nicht jeden Tag Fleisch auf den Teller. So gesund und unbedingt notwendig ist Fleisch nicht. Aber Fleisch ist eine wichtige Ergänzung der menschlichen Ernährung. Es ist völlige Illusion Fleisch verbieten zu wollen. Solange es Menschen auf der Erde gibt, solange werden Tiere zur Schlachtbank geführt werden. Aber wenn Fleisch wieder etwas Besonderes wird, werden weniger Tiere sterben müssen. Dann sind viele bereit mehr Geld für die Produktion von hochqualitativem Fleisch auszugeben. Dann steht auch mehr Geld für die ordentliche Haltung dieser Tiere zur Verfügung.

    15. Sany sagt:

      Also, tierschutz in allen Ehren
      aber alles muss auch grenzen haben
      seit es menschen gibt, gehen diese auf die jagd oder halten tiere (auch um sie zu essen)
      ob es steinzeitmenschen waren die ein mammut jagen und töten
      oder ob es heutige menschen sind, die schweine halten
      fleisch gehört nunmal zur ernährung und ist auch wichtig
      natürlich nicht jeden tag
      den heutigen konsum finde ich etwas übertrieben…. natürlich sind es sehr viele tiere die sterben müssen

      ich finde es gibt erschreckendere beiträge zum thema “Tierschutz” als einfach nur die haltung und schlachtung eines mastschweins
      aber es gibt immer menschen die aus einer mücke einen elefanten machen

    16. carmen sagt:

      sany,
      du hast absolut recht, irgendwo muss empathie mal grenzen haben. wo wuerden wir stehen müssten wir -die intelligenteren mal zurückstecken…

    17. Birgit sagt:

      @ Carmen
      Ich geb dir Recht aber ob wir die Intelligenteren sind wag ich zu bezweifeln ;o)

    18. Julia sagt:

      Nein, Fleisch ist überhaupt nicht gesund und auch keine “wichtige Ergänzung”. Dazu gibt es viele Belege, zum Beispiel das Buch “The China-Study”. Und die Vorstellung, dass Menschen schon seit jeher auf die Jagd gingen, ist auch eher Erfindung. Die Menschen haben sich hauptsächlich von Dingen aus der Natur ernährt. Auch die Bibel bringt Nachweise, dass sich die Menschen damals fleischlos ernährt haben!
      Der Mensch ist von seiner Physiologie her ein Pflanzenfresser, kein Omnivore! Wir haben einen längeren Darm und nicht so viel Säure darin wie Fleischfresser, wir haben eine fleischige Zunge, können unseren Kiefer auch seitlich bewegen, …
      Ich weiß jedenfalls, was für mich richtig ist: Seit ich mich vegan ernähre, ist meine Akne verschwunden und meine Verdauungsbeschwerden ebenso, außerdem habe ich 5 Kilo abgenommen.

    19. Ich sagt:

      Was für ein Blödsinn. Menschen sind Allesfresser, wie auch ihre Verwandten, die Menschenaffen. Das Verdauungssystem ist mitnichten auf reine Pflanzenkost ausgelegt, oder haben Menschen mehrere Mägen, große Blinddärme und extrem lange Därme? Kauen zu können ist kein Beweis, denn das können Schweine und Bären, ebenfalls Omnivoren, auch.
      Steinzeitmenschen haben sich sehr wohl von der Jagd ernährt, oder wurden die Waffen dafür nur zum Spaß hergestellt?

      Leider drehen sich es die Hardcore Veggies gerne wie sie es brauchen und ignorieren dabei sämtliche biologischen Erkenntnisse. Mehr noch, vegan zu sein ist ein typisches Wohlstandszeichen in der westlichen Welt, da man es sich aussuchen kann was man isst. Es braucht nur wieder eine Hungersnot zusammen mit einem strengen Winter zu kommen und die meisten würden sich über jedes Stück Fleisch freuen.
      Ich wuchs noch in bäuerlich – ärmlichen Verhältnissen auf und sah auch das Schlachten, Geflügel, Kaninchen und Schafe.
      Ich hab nichts gegen Veggies, mag es aber nicht wenn sie einen zu bekehren versuchen. Ich esse weiterhin Fleisch, welches ich direkt beim Bauern kaufe. Von Pflanzen alleine kann ich nicht satt werden.

    20. Anja sagt:

      Ich bin Vegetarierin geworden, weil ich mich nicht mehr an dem industriellen Massenmord an wehrlosen Tieren beteiligen will.
      Das, was in den Schlachthäusern passiert hat nichts mehr mit der Natur zu tun. Ja, die Natur ist grausam, ein ständiges Frssen und Gefressen-Werden, und wir Menschen haben immer schon Tiere gejagt und verzehrt.

      Diejenigen, die den Fleichkonsum verteidigen, argumentieren, das die Beutetiere in der freien Wildbahn ebenso leiden. Das ist zwar – leider – wahr. Die Natur ist grausam, das ist ein unumstößliches Gesetz, und es spielen sich herzzerreißende Szenen ab, wie man in Tierdokumentarfilmen beobachten kann. Sicher gibt es auch in der Natur Sadismus, Zufügen von Leiden, das über das Erlegen der Beute hinausgeht.

      ABER: Dieses absichtliche Zufügen von immensem, unvorstellbarem und vermeidbarem Leid nur aus reiner Profitgier, nicht aus Lebens- und Überlebensnotwendigkeit, wie es -grundsaätzlich jedenfalls- in der Natur geschieht, ist etwas völlig anderes als das Treiben in der heutigen Konsumgesellschaft. Das sieht man schon daran, dass viel zu viel produziert wird, was hinterher weggeworfen wird.
      Darum, um die Qualen der Tiere, die aus Gier nach Geld und aus Gier nach wirtschaftlichen Vorteilen gezüchtet, gequält und getötet werden , wenn sie ihr “Schlachtgewicht”, also den Höhepunkt ihrer “wirtschaftlichen Verwertbarkeit” erreicht haben, geht es in der Hauptsache, weniger um den Konsum von Fleisch an sich.
      Die angeblich so überragend zu bewertende Freiheit des Menschen, jederzeit billiges Fleisch kaufen zu können, wird ohne jegliches Hinterfragen, ohne Rücksicht, ohne Mitgefühl über die Belange der leidenden Tiere gestellt.
      Und jeder, der sich an dieser Art von Fleischerzeugung beteiligt, lädt Schuld auf sich an dieser insdustriellen, entmenschlichten Tötungsindustrie.
      Ich weiß nicht, ob man etwas verändern kann, wenn man sich für eine vegetarische Lebensweise entscheidet, denn die Fleischindustrie produziert unverdrossen weiter.
      Aber es ist meine Art, Achtung und Mitgefühl für die lebende Kreatur auszudrücken.

    21. Melanie sagt:

      Schwein x15 war ein sehr starker Kämpfer – dass hatte er bis zum Schluss bewiesen und aus dem Leben wollte er niemals kampflos treten. Schweine haben den siebten Sinn, denn er wusste, dass sein Leben an diesem Ort endet. Er konnte Blut riechen und sah die Schlachter mit ihren weißen Gummischürzen.
      Aber er hatte sich auch an ein versprechen erinnert, dass er seiner Mutter vor lange Zeit einmal gegeben hatte. “Gib niemals das Leben auf, bevor es Dich aufgibt!” Dieses hatte ihm seine Mama damals ganz leise in sein Ohr geflüstert gegrunzt und tatsächlich hat er sich die ganze Zeit daran gehalten! ER HAT sein Leben nicht aufgegeben und ER HAT bis zur letzten Lebens Minute seine Würde nicht verloren.
      Schwein x15 hatte eine Mission zu erfüllen; nämlich Menschen zum Nachdenken zu bewegen, um zu erkennen, dass man mit allem Leben schonend und liebevoll umgehen soll.
      Er sollte Menschenherzen ausmalen. Auch das HAT ER getan, aber ER HAT nicht “schwarz” genommen. ER HAT dazu die schönste Farbe gewählt. Es ist die Farbe der Liebe und der Hoffnung, so das Schweine in Zukunft ein besseres Leben führen können.

    22. Antonietta sagt:

      Ein Deutscher isst ungefähr 200 Gramm Fleisch pro Tag. Macht jährlich etwa 80 Kilo Fleisch pro Kopf und rund 6,5 Milliarden Kilo Fleisch für das ganze Land. Eine solche Masse an Fleisch kann man aber nur bereit stellen, wenn man die Tiere in Massen züchtet und im Akkord tötet. Diese Massentierhaltung ist nicht nur furchtbar für die Tiere, sie ist auch schlimm für unsere Umwelt, für das Klima und für die Gerechtigkeit auf der Welt. Es gibt viele gute Gründe, nie mehr Fleisch zu essen. Aber eigentlich reicht schon einer…!

    23. hans sagt:

      Ihr seit keine besseren Menschen wenn ihr “Mitleidet” mit den Tieren. DIe Tiere würden uns ebenso essen wenn sie könnten. Hört auf mit dem gejammere und realisiert das die Wirklichkeit kein Ponyhof und kein Disneyfilm ist.

      Werdet endlich Männer.

      Hans.

    24. Reg09 sagt:

      hat mich inspiriert ;)
      ich bin veganer … meine lieblingstiere waren von der anfangsphase an rinder … sind immer noch unter den favouriten … hinzu kamen hühner … (habe nun auch selbst eines, dass ein verkrüpeltes bein hat … ex-mastküken) und nach dem hund aus dem heim/tierschutz werden es – wenns geht – schweine … 3 tiere sollen es sein ‘fürs erste’ xD naja … gut, dass unser hof (lebe mit 15 logischerweise bei meinen eltern) landwirtschaftlich betrieben wird (leider noch mit legehennen -.-’), aber das macht die formelle sache mit allem leichter ;)

    25. wolfgang sagt:

      @hans,

      deine zeit wird kommen zu verstehen.
      menschen wie dir gebühre ich mx . 2 sätze sonst ist es zeitverschwendung.

      ich kann nur jedem menschen raten vegan zu leben, denn das ist die nächste evolutionsstufe.

      wer es nicht tut wird langfristig immer das niedere wesen bleiben.

    26. Christine sagt:

      Ich bin und bleibe bei der Meinung: Wer Fleisch essen möchte, der sollte auch in der Lage sein es “selbst zu erlegen und zu schlachten”.
      Ich selbst bin überzeugte Vegetarierin, aber ich möchte niemanden bevormunden oder meine Meinung aufdrängen. Jeder Mensch soll das machen was er für richtig hält und mit seinem Gewissen vereinbaren kann.

      Ich bin – obwohl ich nicht gläubig bin – davon überzeugt, dass wir eines Tages die Quittung für unsere Taten erhalten werden. Ich lebe nach dem Grundsatz das Leben zu schützen und als einzigartig zu beachten. Leben nehmen kann man schnell – Leben schenken und erhalten ist da schon schwieriger.

      Vielen Menschen fehlen die Fähigkeiten zur Abstraktion und Empathie: Sie können sich nicht die Qualen vorstellen, die ein empfindsames Lebewesen in einem völlig fremdbestimmten und deprivierenden Umfeld erleben muss. Ich denke, solchen Menschen täte es mal gut, wenn Sie zwei Tage in einer Abferkelbucht verbringen müssten. Am Besten mit ihren Kindern an der anderen Seite vom Gitter und ernährt von billigem und fettmachendem Schleim. Das hört sich hart und sadistisch an, wenn man den Kontext auf den Menschen bezieht. Für mich ist es jedoch genauso sadistisch, wenn man das Augenmerk nur auf die Tiere richtet.
      Ich bin für ein faires Miteinander. Der Mensch steht nicht über der Natur – er ist Teil von ihr. Dieses Bewusstsein ist verloren gegangen und begünstigt die ausbeuterischen und gierigen Taktiken.

      Ich bewundere jedes Projekt, dass objektiv aber doch empfindsam auf diese Missstände aufmerksam machen möchte. Ich hoffe, dass solche Beiträge das Bewusstsein schärfen und endlich ein empathischeres Verständnis bei den Menschen zurück kehrt.

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