X15 ist tot

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Thomas & Campo

X15 ist tot. Der Tod war wie sein kurzes Leben: brutal, qualvoll, trostlos. Ein Welle von Gefühlen steigt auf, wenn man sich die Bilder seines letzten Weges ansieht – Wut, Ohnmacht, Schmerz und auch Scham darüber, in einer Gesellschaft zu leben, die dass, was hier dokumentiert wird, als „normal“ akzeptiert, als Alltag in der sogenannten Landwirtschaft.

Es ist nur natürlich, wenn die ohnmächtige Wut des Betrachters nach Schuldigen sucht, nahe liegend ist beispielsweise immer der Wunsch, „to kill the messenger“, in diesem Fall die Entrüstung über uns, wie wir X15’s Schicksal öffentlich ins Netz stellen konnten, ihn nicht wenigstens im letzten Moment zu retten versuchten, anstatt kaltblütig und zynisch die Kamera drauf zuhalten, wie er ermordet wird.
Eine verständliche Reaktion, aber verfehlt; der Bote ist weder Ursache noch Wurzel des Übels: es gibt jedes Jahr alleine in Österreich 5 Millionen X15, es gab sie vor unserem Projekt und es wird sie leider danach geben. Aber wie lässt sich die aufgestaute Emotion denn dann kanalisieren, wo ist der „Schuldige“ den man wenigstens aus vollem Herzen „hassen“ kann? Ist es der einfache Bauer der von seinen Tieren lebt, die Tierärztin, die ihm bescheinigt, sie artgerecht zu halten, oder der Schlächter, der es am Ende nicht einmal schafft den Bolzen so anzusetzen, dass sein Opfer wenigstens lange genug betäubt ist, um den Todesstich nicht mitzuerleben? Oder muss man folgerichtig jede Hausfrau, jeden einzelnen Konsumenten hassen, der  im Supermarkt gedankenlos Schinken und Speck kauft? Das Phänomen der modernen Tierausbeutung ist so monströs, dass es sich einfachen Lösungen entzieht.  Wer etwas verändern möchte, muss in seinem Umfeld beginnen, immer mehr Menschen darauf hinweisen was hier hinter hohen Mauern geschieht, versuchen Bewusstsein zu bilden, Verhalten zu verändern.

Wenn ich auf das Projekt PIG-VISION zurückblicke, dann freue ich mich zuerst einmal natürlich darüber, dass als direktes Resultat unseres Projekts, das Schweinchen JACKPOT ein fröhliches Leben im Tierparadies Schabenreith führen darf.
Ein Wermutstropfen der Kampagne ist andererseits, dass wir bei den ca. 30.000  Personen, die in verschiedenen Stadien das Projekt verfolgt haben, nicht noch stärker über den Kreis der tierschutz-sensiblen Menschen hinaus gelangt sind. Wir wollten eigentlich das übliche „preaching to the converted“ vermeiden, wollten Menschen für PIG VISION interessieren, die sonntags beim Schweinsbraten sitzen, sie zur Diskussion auffordern und dazu bringen, ihre Einstellung zu überdenken. Das war wohl ein zu ambitionierter Wunsch – wer möchte sich schon freiwillig mit unangenehmen Wahrheiten auseinandersetzen oder gar seine Gewohnheiten verändern?
Aber auch für Personen mit einem bereits entwickelten Tierrechts-Bewusstsein ist ein neuer Motivationsschub nützlich: neue Motivation dafür unbequem zu sein, andere Menschen unermüdlich auf die Konsequenzen ihres Handelns hinzuweisen;   man überlege nur: 20 Tiere bringt die durchschnittliche MitteleuropäerIn statistisch durch ihre Essgewohnheiten im Laufe eines Lebensjahres um. Wenn nun zumindest jede zweite PIG VISION BetrachterIn drei Menschen dazu brächte, ihre Einstellung zur Tierausbeutung zu überdenken, welche Verringerung an Tier-Elend das zur Folge hätte. Fast eine Million weniger Fälle von Gewalt und Leid jedes Jahr! Zwar nur Tropfen auf einem heißen Stein, aber Tropfen sind es, die a la longue die Welt verändern.

Und letztlich soll PIG-VISION mit dem Tod von X15 auch nicht zu Ende gehen; wir werden auf der Website weiter über die Abenteuer von JACKPOT inmitten seiner Freunde berichten, und ich hoffe es wird uns auch gelingen, dieses einzigartige Projekt in eine DVD zu fassen, wo es weiter als Werkzeug zur Sensibilisierung von Menschen Verwendung finden kann.

Thomas Winger
United Creatures

    • Nicole

      Es ist wirklich traurig solche Bilder zu sehen. Da bin ich wirklich froh schon seit 14 Jahren kein Fleisch mehr zu essen. (25 Jahre)

      Ich kann es nur weiterempfehlen. Für ein besseres Wohlbefinden und vor allem für die Tiere.

    • sigrid vicari

      Gegenüber dem Tier ist der Mensch doch ein Gewohnheitsverbrecher

    • sigrid vicari

      es ist einfach nur grauenhaft

    • Antonietta

      Bei den Schweinen und Rindern sind neben den Haltungsbedingungen die tierschutzwidrigen Tötungsmethoden inakzeptabel: 175.000 Rinder und 500.000 Schweine werden jährlich in Deutschland vor dem Schlachten nicht ordnungsgemäß betäubt und erleben den Tod bei vollem Bewusstsein und in Todesangst.