Schweinegrippe

Im Jahre 1918 herrschte eine verheerende humane Grippepandemie. Zeitgleich wurde in den USA eine Schweineerkrankung mit nahezu identischer Symptomatik beobachtet und infolge als „Schweineinflunza“ bezeichnet. Bis heute wurde die Schweinegrippe auf nahezu allen Kontinenten beschrieben. 1984 konnte das Virus H1N1 erstmals in Österreich isoliert werden (BÜRKI et al., 1985).

Für die exakte Bezeichnung von Grippeviren werden entsprechend der WHO seit 1980 neben der Typenbezeichnung auch die Wirtspezies, der geographische Ort der Isolierung, eine fortlaufende Labornummer, das Jahr der Isolierung und die Oberflächenantigenstruktur angegeben. Der Erreger der klassischen Schweinegrippe trägt demnach die Oberflächenantigenformel H1N1. Die genaue Bezeichnung des Erstisolates aus dem Jahre 1930 lautet: A/swine/Iowa/15/30 (H1N1).

Neben den klassischen Stereotypen (= Charakterisierung eines Erregers) H1N1 zählen heute auch aviäre (= vom Vogel abstammend) H1N1 Subtypen, sowie H3N2 Subtypen zu den Erregern der Schweinegrippe. Auch H1N2 und H1N7 werden als Erreger klinischer Symptome der Grippe beim Schwein beschrieben.

Die Aufnahme des Erregers erfolgt über den Nasen-Rachenraum. Eine intensive Virusvermehrung findet im Epithel (= geschlossene Zellverbände, die die Körperoberfläche und alle inneren Oberflächen auskleiden)) der Bronchien und Bronchioli (= luftleitende Wege in der Lunge) statt. Die Krankheitssymptome verursacht durch die Grippe sind: Appetitlosigkeit, Bewegungsunlust, Erhöhung der Körpertemperatur, Niesen, pumpende Atmung und Husten. Das Überstehen der Infektion bewirkt eine aktive Immunität(= Krankheitsabwehr).

Vermutlich sind persistent (=fortdauernd) infizierte Tiere für die Verbreitung verantwortlich. Auch wurden H1N1 Subtypen beim Mensch, bei Vögeln und anderen Tierarten nachgewiesen.

Schweine in Europa sind vorwiegend mit aviärem H1N1 und humanem H3N2 infiziert. Nach BROWN (2000) sind klassische H1N1 Subtypen in Nordamerika, Europa, Asien und Südamerika verbreitet, aviäre H1N1 Subtypen in Europa und Asien, humane H3N2 Subtypen in Asien, Europa, Nord- und Südamerika, Afrika und Asien, aviäre H3N2 in Asien sowie klassische humane H1N2 in Asien und humane H1N2 in Europa.

Der Erregernachweis erfolgt aus Nasentupferproben in der virämischen (= Verbreitung des Virus im ganzen Organismus über das Blut- oder Lymphsystem) Phase. Die Schaffung virusfreier Bestände ist aufgrund der hohen Kontagiosität (= Gradmesser der Ansteckungskraft eines Erregers) und aerogenen (= durch die Luft übertragen) Übertragungsweise schwierig. 1984 gelang die erfolgreiche Immunisierung durch zweimalige Impfung von Ferkeln im Alter von 6 und 9 Wochen.

In Form einer Feldstudie wurden im Jahre 2001 von 9 Schweinebetrieben Untersuchungen auf Grippe durchgeführt. Dafür hat man jeweils von 17 Tieren aus jedem Betrieb Blut genommen und auf Grippeviren untersucht. Das Ergebnis dieser Untersuchung war folgendes: Die Serotypen H1N1 und H3N2 kamen gemeinsam in 3 Betrieben vor. In einem Betrieb wurde ausschließlich der Serotyp H1N1 und in 3 Betrieben der Serotyp H3N2 festgestellt. Das bedeutet, dass in 7 der 9 Betriebe Grippeviren nachgewiesen wurden.

Von insgesamt 153 untersuchten Proben waren 22 Proben H1N1 positiv. Der Serotyp H3N2 konnte in insgesamt 33 Proben nachgewiesen werden. Aufgeteilt nach Altersklasse der Tiere konnte festgestellt werden, dass von 90 untersuchten Serumproben von Läufern war der Serotyp H1N1, in 13 Fällen der Serotyp H3N2 und in 9 Proben waren beide Serotypen nachweisbar. In 5 von 27 untersuchten Blutproben von Altsauen konnten ausschließlich der Serotyp H1N1 und in 4 Proben der Serotyp H1N1 und der Serotyp H3N2 nachgewiesen werden. Bei 36 untersuchten Blutproben von Jungsauen wurden in drei Proben H1N1, in 6 Proben H3N2 und in einer Probe der Serotyp H1N1 und der Serotyp H3N2 ermittelt.

Prophylaxemaßnahmen (= vorbeugender Gesundheitsschutz) durch Impfen sind bei solchen Erregern anzuwenden, bei denen auf Grund von epidemiologischen Studien und Erfahrungen mit einer Erregerelimination nicht zu rechnen ist. Es wird angestrebt, die Krankheitssymptome zu eliminieren oder zumindest zu reduzieren.

Durch die hohe Übertragungsfähigkeit des Erregers über die Luft und die weltweite Verbreitung wird bei der Grippe des Schweines analog zur humanen Grippe die Impfung als Mittel der Wahl betrachtet.

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