Die Mast aus der Sicht des Tierschutzes

Sau im Kastenstand

Im Kastenstand eingepfercht kann die Mutter ihre Ferkel nicht richtig pflegen

In Freiheit sind Ferkeln 4 Monate bei ihrer Mutter, zuerst abseits der Gruppe und dann im Gruppenverband, es entsteht eine sehr innige Beziehung zwischen der Mutter und ihren Kindern. Die kleinen Schweine lernen viel von der Mutter und ihrem sozialen Gefüge.

In der Intensivtierhaltung sieht das alles anders aus. Die Ferkel werden schon nach 3 bis 4 Wochen von der Mutter getrennt und kommen in die sogenannte Vormast. In der Vormast und auch später in der Endmast werden die Schweine in Gruppen gehalten. Bereits mit nur etwa einem Monat sind die kleinen Tiere ganz auf sich alleine gestellt. Die Mutter hatte ihnen, eingesperrt in ihrem Abferkelgitter, zwar nicht viel helfen, ihre Kinder nicht beschnüffeln, lecken oder liebkosen können, , aber sie war zumindest in der Nähe.

Wie schaut das restliche Leben in der Mast aus?

Vollspaltenböden

Unser zuhause für die nächsten vier Monate

Vollspaltenböden erfüllen für ein Schwein keine seiner Bedürfnisse - sie dienen ausschließlich der Arbeitserleichterung für den Mastbetrieb.

Vollspaltenböden sind für die Intensivtierhaltung extrem praktisch – sie sind gleichzeitig auch Entmistungssystem. Der Kot und der Urin sollen durch die Spalten abfließen oder von den Tieren selbst durch die Spalten getreten werden. Die Exkremente sammeln sich direkt unter den Schweinen in einem Güllekanal. Dies stellt für die feinen Nasen der Schweine eine extreme Belastung dar. Schweine haben eine ebenso sensible Nase wie Hunde, niemand in Österreich würde einem Hund so ein Leben zumuten, bei den Schweinen ist es den ÖsterreicherInnen anscheinend egal.. Als zusätzliche Belastung beim Vollspaltenboden kommt die Schadgasentwicklung (Ammoniak) hinzu. Diesen Gasen sind die Schweine ständig ausgesetzt, was häufig zu Atemwegsentzündungen führt.

85,5% der Mastschweine in Österreich leben auf Vollspaltenböden!

Beschäftigungsmaterial

Ein Ferkel wird kastriert

Männliche Ferkel werden in den ersten sieben Lebenstagen ohne Betäubung kastriert

Eigentlich sollte es laut Gesetz in allen Betrieben Beschäftigungsmaterial geben, damit die Schweine – höchst intelligente Lebewesen – etwas zum Spielen haben (gerade bei den noch jungen Ferkeln sehr wichtig). Doch in vielen Betrieben gibt es kein Spielzeug. So wie kleine Kinder gerne spielen, spielen auch kleine Ferkel gerne, doch womit, wenn sie auf kahlem Betonboden stehen? So beginnen sie sich oft mit den Schwänzen der anderen Leidensgenossen zu beschäftigen, knabbern daran, oft beißen sie auch in die Ohren und in die Flanken der anderen Schweine. Dies kann bis zum Kannibalismus führen.

Um dies zu vermeiden, werden die Schwänze der Ferkel häufig schon in den ersten Tagen abgeschnitten. Diese äusserst schmerzhafte Prozedur wird vom Landwirt selbst, ohne Narkose, Schmerzmittel und Nachbehandlung durchgeführt. In Österreich ist dieser Eingriff zwar als prophylaktische Masznahme nicht erlaubt, wird aber oft prophylaktisch durchgeführt. Aber selbst bei gekürzten Schwänzen tritt auf Grund der unerträglichen Langeweile oft noch immer das gleiche Verhalten auf.

Mittlerweile gibt es in einigen Betrieben Beschäftigungsmaterial, meist Eisenketten oder Holzstangen. Doch da Schweine bekanntlich höchst intelligent sind, wird ihnen dieses eintönige, nicht veränderbare Spielzeug bald langweilig. Das beste Beschäftigungsmaterial wäre organisches Material wie zum Beispiel Stroh. Schweine können darin wühlen, sich ein Nest bauen, es essen, es knabbern. Aber Stroh gibt es in den wenigsten Betrieben, da es mit dem Entmistungssystem (Vollspaltenboden) nicht kompatibel ist, es verstopft die Spalten und das Entmistungssystem funktioniert nicht mehr. Dem Betrieb ist die wirtschaftliche Effizienz wichtiger als das Wohl der Tiere.

98,7% der Mastschweine leben ohne Stroheinstreu!
80,3% aller Schweine haben kein Beschäftigungsmaterial!

Platzangebot

Ein weiteres Problem in der Mast ist das mangelnde Platzangebot. Selbst der gesetzlich vorgeschriebene Platz , 0,7m² für ein 110kg Schwein, ist lächerlich: wenn ein 100kg Schwein sich seitlich hinlegt, und die Beine ausstrecken möchte, benötigt es 1m², laut Gesetz sollen dafür 0,7m² reichen.
Schweine, die in Freiheit leben, teilen sich ihren Lebensraum in drei Bereiche: einen Schlafplatz, einen Kotplatz und einen Bereich wo sie mit Nahrungssuche und Nahrungsaufnahme beschäftigt sind. In der Intensivtierhaltung ist das den Schweinen unmöglich. Sie vegetieren auf so engem Raum, dass sie am gleichen Platz aufs Klo gehen, essen und schlafen müssen!

Medikamente

In der Mast bekommen die Tiere viele Medikamente, da sie sonst in der Intensivtierhaltung nicht überleben würden. Gerade durch den Gestank und die Ammoniakbildung der Exkremente, die die Tiere durchgehend einatmen, haben fast alle Tiere Atemwegsbeschwerden, sie husten, schnupfen, einige haben sogar Asthma. Nur durch Zuführung von Medikamenten können die Tiere am Leben gehalten werden.

In 100% der Betriebe gibt es Medikamente!

Unter diesen katastrophalen Bedingungen müssen Schweine – und so auch X15 – dahinvegetieren, bis sie ihr Schlachtgewicht erreicht haben.

    • TS

      2 Dinge wären noch interessant:
      1) Quellenangaben
      2) Vergleiche mit anderen europäischen Ländern, insebsondere D und CH, sowie wie’s mit der EU ausschaut.

    • TA Mag.Oliver Wess

      sehr geehrte Fr. Sablik.Wenn sie schon ihren Bericht veröffentlichen, dann bitte informieren sie sich vorher über Tierarzneimittelrecht in Ö, Atemwegserkrankungen generell.
      mit freundlichen Grüssen
      Tierarzt Oliver Wess

    • CH

      DANKE für diesen Bericht!

      Es kann nicht oft genug gezeigt werden, wie es hinter den verschlossenen Hoftoren meist noch immer aussieht. Anstatt vorbei zu gehen, sollte jeder Konsument einmal hinter die Gitter und verschlossenen Türen schauen.