Die Mast aus der Sicht der industriellen Tiernutzung

X15 in der Ferkelaufzucht

Für X15 hat nun die letzte Periode in seinem Leben begonnen. Er wiegt 32 kg und wird ab jetzt als Mastschwein bezeichnet. Unter Mastschweine versteht man zur Schlachtung bestimmte Schweine vom Alter von 10 Wochen bis zur Schlachtung.

Zuvor sollte der Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Betrieb erklärt werden. Bei einem offenen Mastbetrieb werden Ferkel von mehreren Ferkelerzeugern gekauft, somit ist das Infektionsrisiko sehr hoch. Ein geschlossener Betrieb kauft keine Ferkel zur Mast dazu, sondern produziert sie selbst. Damit ist die Infektionsquelle relativ gering, d. h. dass der Einsatz von Medikamenten in solchen Betrieben ebenfalls sehr gering ist. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Ferkel bereits von Geburt an mit der stallspezifischen Keimflora auseinander setzen, während bei  Zukauf von Tieren sich die Keimflora für die Neulinge ändert und sie bereits bei Ankunft meistens schon prophylaktisch behandelt werden müssen.

Grundsätzlich werden Mastschweine gegen Mykoplasmen geimpft und des Öfteren entwurmt. Mykoplasmen sind Erreger, die eine Lungenentzündung verursachen können. Das Ziel eines jeden Mästers ist es, so wenige Medikamente wie möglich einzusetzen. In der Praxis ist es oft nicht möglich, ohne Medikamenteneinsatz das Tier bis zum gewünschten Mastgewicht (110 kg) am Leben zu erhalten. Mit einem sehr hohen Hygienestandart sowie eine gezielte Auswahl der Ferkelerzeuger ist der Einsatz von verschiedenen Antibiotika stark zu reduzieren.

Vor Ankunft bzw. Umsetzen der Mastläufer ist es wichtig, dass die Bucht in der die Tiere untergebracht, sehr gut gereinigt und desinfiziert wird. Bei Verwendung von Betonspaltenböden darf die Spaltenbreite von 18 mm und die Auftrittsfläche von 80 mm nicht unterschritten werden. Absetzferkel, Mastschweine und Zuchtläufer sind in Gruppen zu halten. Dabei muss einem Tier bis 30 kg eine benutzbare Bodenfläche von 0,30 m², einem Tier bis 50 kg eine Bodenfläche von 0,40 m² und einem Tier bis110 kg eine Fläche von 0,70 m² zur Verfügung stehen.

Steht den Tieren kein ständiger Zugang ins Freie zur Verfügung, müssen die Ställe Fenster oder sonstige offene oder transparente Flächen, durch die Tageslicht einfallen kann, im Ausmaß von mindestens 3 % der Stallbodenfläche aufweisen. Im Tierbereich des Stalles ist über mindestens acht Stunden pro Tag eine Lichtstärke von mindestens 40 Lux zu erreichen.

Schweine müssen ständigen Zugang zu ausreichenden Mengen an Materialien haben, die sie untersuchen und bewegen können (z. B. Stroh, Holz, Ball usw.).

Alle Schweine müssen ständig Zugang zu ausreichend Frischwasser haben. Sie müssen mindestens ein Mal pro Tag gefüttert werden. Bei der Gruppenhaltung liegt die Fressplatzgröße bei:

Gewicht

Fressplatzbreite

bis 30 kg

18,00 cm

bis 40 kg

21,00 cm

bis 50 kg

24,00 cm

bis 60 kg

27,00 cm

bis 85 kg

30,00 cm

bis 110 kg

33,00 cm

Für X15 heißt es nun fressen, schlafen und zunehmen an Körpergewicht. Da es sich beim Betrieb von X15 um einen geschlossenen Betrieb handelt, ist der Medikamenteneinsatz fast Null.

Bei Mastschweinen erfolgt die Verabreichung von Medikamenten fast ausschließlich über die Fütterung. Dadurch werden nicht nur kranke Tiere behandelt sondern auch gesunde. Die Behandlung mittels Injektionen ist sehr Zeitaufwendig und bei Betrieben mit mehreren 100 Mastplätzen fast nicht durchführbar. Einige Mastbetriebe setzen schon zur Prophylaxe Medikamente ein, um somit den Ausbruch einer  Krankheit zu verhindern.

    Kategorie: MAST  |  Tags: , , ,

    • Tina

      Vielen Dank für diesen äußerst interessanten Beitrag – wie wird die Anforderung nach Material zum Bewegen in diesem Betrieb denn realisiert?

    • dw

      Kann mich Tina anschließen ganz toller Bericht. So weis nun jeder Laie was ein Mastschwein ist. In meiner Nähe gibt es auch einen kleinen Mastbetrieb…ich spähe dort ab und zu mal rein und habe aber noch nie gesehen das Sie Zugang zu beweglichen Materialien haben….Nur im Hochsommer wurden die Fenster geöffnet und Stroh haben diese Schweine auch noch nie gesehen.

    • carmen

      das klingt nach einem massstab den es zu erreichen gilt. ich bezweifle, dass sich nur 2 % der betriebe an diesen ´standard´ annähern. 🙁