Pig-Vision im Interview mit PROVIEH

Wir von Pig-Vision haben uns mit  PROVIEH – Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung e.V. zusammen gesetzt um deren Meinung zum Thema betäubungslose Kastration bei Ferkeln zu hören.

Pig-Vision: PROVIEH hatte vor Kurzem einen großen Erfolg bezüglich McDonalds und BurgerKing erreicht. Um was genau ging es da – und welche Konsequenzen hat das?

PROVIEH: „McDonalds und Burger King sind von uns informiert worden, dass wir eine öffentliche Kampagne starten werden, sollten sie sich nicht zur verbindlichen Bekanntgabe eines Termins zum Ausstieg aus der Verwendung von Kastratenfleisch (Börgefleisch) entschließen. Die Unternehmen meinten, diese Ankündigung nicht ernst nehmen zu müssen. So führten wir im Juni 2009 eine Kampagne mit Radiospots und mit Briefen an die beiden Unternehmen durch mit dem Erfolg, dass sie noch im Juli 2009 für den 1.1.2011 den Ausstieg vom „Kastratenburger“ (eine Wortschöpfung unseres Gechäftsführers Stefan Johnigk) erklärten. Die Kampagne zielte auf beide Unternehmen ab, weil sie nur wenig Schweinefleisch für ihre Produkte verbrauchen und deshalb schnell Fleisch von Betrieben beziehen können, die nicht mehr kastrieren. Der angestrebte Verzicht auf die Ferkelkastration ist gut nicht nur für den Tierschutz, sondern auch für die Schweinewirtschaft, denn Eberfleisch ist nach eigener Verkostung lecker, die Kosten für die Mast sind niedriger, weil die Eber bessere Futterverwerter als die Kastraten sind, und Eber bilden mehr Muskelfleisch und weniger Fett aus als die Kastraten. Die Kastration wurde bisher mit Mythen begründet, die bei genauer Hinsicht entkräftet werden können. Zu den Mythen gehört, dass sich Eber dauernd zanken würden. Das stimmt nicht. Eber fechten ihre Rangordnung aus, und wenn sie in der Gruppe anerkannt ist, gibt es keine weiteren Kämpfe. Sie treten allenfalls dann wieder auf, wenn Eber verschiedener Gruppen willkürlich zu neuen Gruppen zusammengesetzt werden.“

Pig-Vision: Welche Kritik hat PROVIEH genau an der betäubungslosen Kastration?

PROVIEH: „PROVIEH kritisiert nicht nur die betäubungslose Kastration, sondern auch die Kastration unter Betäubung. Die Kastration führt in jedem Fall zu Schmerzen und tagelanger Apathie, und durch die Kastrationswunde können Krankheitserreger in die Ferkel eindringen und diese töten. Durch Kastration werden also wirtschaftliche Verluste verursacht. Die Kastration kann von erfahrenen Kastrieren fachmännisch und schnell durchgeführt werden, aber es gibt Belege, dass die Kastration durch ungeübte Kastrierer stümperhaft sein kann und die Lage für die Ferkel nur verschlimmert. Stümper der Kastration wird es immer geben.“

Pig-Vision: „Gibt es weitere Kritikpunkte an der üblichen Schweinemast?“

PROVIEH: „Weitere Kritikpunkte an der Schweinemast ergeben sich aus der lieblosen Massenmast unter industriellen Bedingungen. Leiden am Körper und Verhaltensstörungen sind praktisch zwangsläufig die Folgen. Schweine sind intelligent, man muss ihnen ein Minimum Zuwendung und an Möglichkeiten bieten, ihre Intelligenz auch auszuleben. Fehlt das Angebot, kommt es zu Verhaltensstörungen wie der Verstümmelung des Schwanzes von Artgenossen. Deshalb wird den Ferkeln der Schwanz teilweise abgeschnitten. Auch diese Verstümmelung kann fachmännisch sauber oder stümperhaft durchgeführt werden. Stümperhaft ist die Verstümmelung, wenn nicht nur der knochenlose Teil vom Schwanz abgeschnitten wird, sondern auch ein körpernaher Teil des Schwanzes, der die Schwanz-Wirbelsäule enthält. PROVIEH setzt sich dafür ein, dass auch das Abschneiden eines wie immer gearteten Schwanzabschnitts aufhört. Diese Forderung ist erfüllbar, weil Schweine sich kaum Verletzungen am Schwanz zufügen, wenn sie über genug Zuwendung vom Menschen und über genug Beschäftigungsmöglichkeiten verfügen.“

Pig-Vision: „Wie sieht die ideale Schweinehaltung für PROVIEH aus?“

PROVIEH:  „Die ideale Schweinehaltung sieht für PROVIEH möglichst artgerecht aus. Die Schweine müssen in der Lage sein, wichtige Teile ihres Beschäftigungsbedürfnisses zu befriedigen. Werden die Schweine in Gruppen gehalten, die sich seit dem frühesten Ferkelalter kennen, wird die Rangordnung schon im Ferkelalter festgelegt, und es kommt zu keinen größeren Streitereien oder zu gegenseitigen Verstümmelungen. Die artgerechte Haltung muss auch liebevoll genug sein. Das ist in industriellen Massenhaltungen, in denen so wenige Menschen wie möglich angestellt werden, nicht möglich. Zur idealen Schweinehaltung gehört also auch, dass die Gruppengrößen für die Betreuer übersichtlich sind.“

Pig-Vision: „Vielen Dank für das Interview und auch weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit!“

Befragt wurden bei PROVIEH: Prof. Dr. Sievert Lorenzen und Stefan Johnigk
Das Interview wurde geführt von: Michael Hartl und Robert Kresse

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    • Gitti Zsak

      DANKE für euren Einsatz!!!

      McDonalds & Co werden diese Aktion sicher medial Ausschlachten, vielleicht werden weitere Unternehmen folgen…

      Grüße aus St. Pölten

      PS: Grunztour in St. Pölten war sehr informativ, hoffentlich kommen nach Innsbruck & Bregenz auch viele Menschen und informieren sich…

    • Hallo Gitti,
      danke für dein Lob. Wir hoffen auch, dass diese Aktion viele Menschen dazu bringt, sich zu informieren.

      liebe Grüße,
      Robert
      Kampagnenteam pig-vision