Die betäubungslose Kastration aus der Sicht des Tierschutzes

Die männlichen Ferkel sind wenige Tage alt, wenn sie von den Schweinezüchtern einer nach dem anderen eingefangen werden. Sie versuchen davon zu laufen, werden aber von flinken, routinierten Menschenhänden schnell erwischt. Das sie zu diesem Zeitpunkt aus Angst um Hilfe schreien, hilft Ihnen in der industriellen Tierhaltung wenig.

Eine Person hält nun das Ferkel fest, damit es sich nicht wehren kann. Es bekommt schier Panik, als es auf den Rücken gedreht wird – eine absolut unnatürliche Position für Schweine. Doch all das Schreien hilft nichts. Der Kopf wird vom Handlanger unter die Achsel geklemmt, die Beine festgehalten und nach oben gestreckt. Dadurch ist der Unterleib des Ferkels frei und ungeschützt.

Muttersau, die ihren Kindern nicht helfen kann

Muttersau, die ihren Kindern nicht helfen kann

Diese ganze Prozedur erlebt die Mutter unmittelbar mit, hört die panischen Schmerzensschreie ihrer Kinder, möchte ihnen zu Hilfe kommen; allein, ein Käfig aus blankem Stahl fesselt sie an den Boden. Sie ist fixiert. Kann sich nicht umdrehen. Sieht deswegen oft auch nicht, was mit ihren Kindern gerade geschieht. Sie hat Angst. Ihr Maul schäumt. Die Augen vor Panik geweitet. Doch sie kann ihren Kindern nicht helfen.

Eine zweite Person schneidet nun mit einem Skalpell – ohne jede Betäubung – den Körper des Ferkels auf und presst die Hoden heraus. Diese werden abgeschnitten und die Wunde desinfiziert. Das Ferkel wird zurück gesetzt in die oft aus kaltem Vollspaltenboden oder blankem Beton bestehende Bucht.

Und schon folgt das Nächste. Massenabfertigung in der Massenproduktion. Routine – schnelle Schnitte – nur damit das Schweinefleisch nicht nach Eber schmeckt.

Ein Ferkel wird kastriert

Ein Ferkel wird kastriert

250.000 mal am Tag geschieht das allein in der EU. Rein rechnerisch werden also jede Sekunde drei Ferkel ohne Betäubung aufgeschnitten und kastriert. Rund um die Uhr. Der wissenschaftliche Ausschuss der EU-Kommission zu Tiergesundheit und Tierschutz hat bereits 2004 in einem Bericht festgestellt, dass dies für die betroffenen Ferkel erhebliche Schmerzen während der Kastration bedeutet. Dem aber nicht genug, leiden die Ferkel noch längere Zeit an den Folgen des schmerzhaften Eingriffs. Daher ist diese Form der Verstümmlung selbst unter Politiker/innen stark umstritten.

Nicht nur durch die Kastration werden auf diese Weise pro Jahr über 91 Millionen männliche Ferkel in der EU „behandelt“. In den meisten Betrieben zählt das Abschleifen der Zähne beider Geschlechter genauso zum Standardprogramm, wie das Abschneiden des Schwanzes der Baby-Ferkel. Beides extrem schmerzhafte, traumatisierende Eingriffe. Alles laut Tiernutzungsindustrie „zum Wohle der Schweine“  Wie blanker Hohn klingt diese Beschönigung, steht es doch unter Expert/innen längst fest, dass gegenseitiges Verletzen der Schweine nur durch den Stress enger, unzulänglicher Haltungsbedingungen hervorgerufen wird.

Weitere interessante Artikel zum Thema:

Kategorie: Kastration  |  Tags: , , , ,

Kommentare

11 Kommentare zu “Die betäubungslose Kastration aus der Sicht des Tierschutzes”
  1. Jolin sagt:

    Ich kann immer wieder nur das Sprichwort zitieren:
    “Was Du nicht willst, das man Dir tu`,
    das füg auch keinem Anderen zu”

    Es ist soooo grausam, zu was Menschen fähig sind !

  2. Und hier, der Vollständigkeit halber, nun auch die Sicht der Wissenschaft auf die Kastration ohne Betäubung (2. Video)
    http://www.pig-vision.com/2009/10/30/die-heute-ubliche-schweinehaltung-ist-nicht-artgerecht/

  3. Werner sagt:

    Hallo Michael Hartl!

    Wir würden natürlich sehr gerne auf die Kastration der Ferkel verzichten – glaube mir, dass ist keine angenehme Arbeit – wenn ihr als Konsumenten auch Eberfleisch essen würdet!!

    LG Werner

  4. Schweinebauer sagt:

    das ist unser job, dann könnts gleich über alles und jeden herziehen!!!

    glaubts eure bananen oder kiwi wachsen beim landwirt ums eck am baum ihr träumer???

    schöne pseudo umweltschützer seits!!!

  5. maria sagt:

    Entlich mal zwei die sich trauen ihre Meinung zu sagen. Gratuliere Werner und Schweinebauer.

  6. reto sagt:

    Schweinebauer, mit Deinem Beispiel hast Du absolut Recht, also Äpfel (nicht von Neuseeland etc.) und Birnen essen, alles klar. Bist Du also auch der Meinung, dass man in dieser Welt irgendwo beginnen sollte, Veränderungen umzusetzen oder diese Welt kommt sehr bald ohne Typen wie Dich und mich aus (ausser wir schaffens tatsächlich die Welt auch noch mit ins Grab zu nehmen)? Dann lass uns aufhören zu träumen.
    Oder wolltest Du nur mal Dampf ablassen hier, wegen dem, was Dich Dein Job zwingt zu tun und dass andere die Frechheit besitzen, darüber zu urteilen, obwohl sie davon nichts “verstehen”?
    Gruss
    Reto

    Maria, was war schon wieder Deine Meinung zum Thema?

  7. kueken sagt:

    hört einfach auf, fleisch jeglicher art zu essen! ist ohnehin gesünder (bereits wissenschaftlich bewiesen)! nur dann kann solches unendliche leid vermieden werden… es stellt sich dir frage, was schlimmer ist: die sauen eng eingefercht oder die betäubungslose kastration der ferkel? keine ist schlimmer, meiner meinung nach ist beides der absolute HORROR… nur gut, dass die menschen solche torturen NICHT mitmachen müssen! wahrscheinlich würden die, als feiglinge, ohnehin nicht überstehen! ja, die menschheiut ist ein riesen grosser feigling, ich schäme mich dafür! warum sonst gibt es so viel unendliches tierleid auf diesem planeten???

  8. kueken sagt:

    sorry für die fehler im text, bin nur grad so wütend auf mich und die anderen…da passiert das eben!

  9. Birgit Renker sagt:

    Hi,
    ich hab da mal ne ganz andere Frage:
    Ab wann wird ein Schwein denn Geschlechtsreif?
    Dann fängt es ja erst es stinken an, oder?

    Gruß
    Birgit

Trackbacks
Lies auch, was andere dazu sagen ...
  1. [...] ist es in Deutschland, Österreich und in den USA erlaubt, dass Ferkel in den ersten Lebenstagen ohne Betäubung kastriert werden dürfen. Wir zeigen in unserem Video also nur eine absolut legale Handlung, die bei der [...]

  2. [...] that the conditions shown in our film amount to animal abuse. On the other hand, castrating piglets without anaesthetic is allowed in Austria, Germany and the USA. Our film shows a totally legal practice, routinely [...]



Hinterlasse einen Kommentar

Bitte geben Sie den Code im Bild ein: