X15 wird ohne Betäubung kastriert – ein „normaler“ Vorgang in der Tiernutzungsindustrie

Am Vormittag des 30. Juni 2009 wurde X15, dass Ferkel, das wir ein Schweine-Leben lang begleiten werden, kastriert. Ohne Betäubung, was leider üblich ist.

In der Europäischen Union werden täglich 250.000 Ferkel kastriert. In fast allen Fällen ohne jede Betäubung! Die Kastration fügt den Schweinen nicht nur schwere akute, sondern auch langfristige Schmerzen zu. Der wissenschaftliche Ausschuss für Tiergesundheit und Tierschutz der EU-Kommission teilt diese Ansicht.

In Norwegen ist die Kastration komplett verboten. In den Niederlanden und ab 2010 in der Schweiz, ist die Kastration nur noch unter Betäubung erlaubt.

    Kategorie: Kastration  |  Tags: , ,

    • Björn Hens

      Fette Sauerei! Im wahrsten Sinne des Wortes. Mitgefühl… Fehlanzeige.

    • Nicole

      Mir ist alles durch Mark und Pein gegangen, als ich dieses Kastrations Video gesehen habe. Die Menschen sollten sich schämen, den Tieren so ein Leid anzutun.

    • Uwe

      Brutal und schonungslos… aber auch bei uns täglich Realität.
      Indem wir Fleisch kaufen und essen, nehmen wir diese Misshandlungen billigend in kauf!
      Ich hoffe, dass viele Menschen diese und die noch folgenden Bilder und Videos sehen.
      Das Schweinchen Babe finden alle süß, dass hier will keiner sehen.
      Macht weiter damit, dies ist genau der richtige Weg.

    • mo baeyens

      ich finde diesen vorgang absolut abscheulich.aber wie ist es möglich so etwas vom gesetz aus zu verbieten?

    • Naja, das Gesetz kann erlauben und verbieten, was auch immer die Parlamentarier/innen beschließen. Sehr vereinfacht ausgedrückt. Im Moment steht dort eben, dass die ersten sieben Tage für die Verstümmelungen am Ferkel keine Betäubung nötig ist.

      Man kann natürlich jetzt auf mehrere Art und Weisen reagieren, um dort eine Änderung herbeizuführen. Das fängt bei der Wahl an, denn wenigstens im Punkt Tierschutz unterscheiden sich die Parteien zum Teil erheblich. Das geht weiter über politische Betätigung – sei es in Vereinen, die sich unter anderem für Gesetzesänderungen stark machen, direkt in Parteien oder durch Emails, Telefonate oder Gespräche mit dem Abgeordneten des eigenen Wahlkreises. Und natürlich gibt es auch noch Petitionen, Bürgerinitiativen und Volksentscheide – also eine Gesetzesänderung auf dem Weg einer etwas direkteren Demokratie einzufordern.

    • Demian

      So kann man es natürlich machen – wenn man sich auf die Politik verlässt. Aber was hat die in den letzten Jahren im Tierschutz wirklich getan?

      Vielleicht sollte man auch über persönliche Konsequenzen nachdenken… Wenn keiner mehr Fleisch und so essen würde – sich also alle gesund und leidfrei ernähren würden – wäre ganz egal was im Gesetz steht. Denn wenn es keiner mehr kauft, würde es auch nicht mehr produziert!

      Jeder kann also selbst die Veränderung sein, die er in der Welt sehen will!

    • bauerXY

      Aus gegebenem Anlass hier einmal das Ganze aus einem anderen Blickwinkel:

      Der Bauer geht in den Stall. Er sieht sich kurz um, er will wissen ob alles im Aufzuchtstall in Ordnung ist.
      Liegt irgendwo ein kränkliches Ferkel in einer Ecke? Leiden manche unter Durchfall? Wie geht es dem Wurf auf den ich Gestern die ganze Nacht aufgepasst habe und bei der Geburt geholfen habe? Falls alles in Ordnung ist geht er weiter zu seiner Arbeit über. (Mit der er viele Österreicher und damit auch seine Familie ernährt). Heute müssen die kürzlich geborenen Ferkel kastriert werden.
      „Müssen“ darum, weil sonst das Fleisch ab einem gewissen Alter durch Geschlechtshormone einen unausstehlichen Geruch und Geschmack erhält. Was dieses Fleisch unverkäuflich machen würde. Es gäbe natürlich die Möglichkeit das Schwein schon in Ihrer Jugend zu schlachten. Was durch das geringere Endmastgewicht den Bauern dazu drängen würde im Gegenzug dazu mehr Vieheinheiten zu beherbergen um den Verlust auszugleichen. Das heißt mehrere Tiere/Fläche und mehr Tiere um die man sich individuell immer weniger kümmern kann. Einen anderen Weg gibt es nicht.(ausgenommen vielleicht im Veganer-Traumland)

      Der Bauer geht also weiter in seinem Arbeitsablauf, weil er ja nicht viele andere Möglichkeiten sieht und trotzdem nicht das Gefühl hat eine Bestie zu sein. Also er und sein/e HelferIn tun was getan werden muss. Sie kastrieren die Ferkel, ohne Narkose weil:

      1. die Preisfrage der Betäubungsmittel sicherlich eine Rolle spielt aber auch
      2. eine Betäubung der Ferkel eine viel größere Belastung für den Kreislauf der Ferkel bedeutet und im Gegensatz zur narkosefreien Kastration das Risiko zu sterben ziemlich hoch ist. So wie immer wenn man Babies eine Narkose verabreicht.

      Also hält der/die HelferIn ein Ferkel und der Bauer macht im Hodensack zwei Ritzer mit dem Skalpell und drückt die Hoden vorsichtig heraus. Nach einem kurzen Schnitt mit einer Art Zange und einem kurzen Schrei sind die Hoden abgetrennt und die kleinen Wunden werden mit einem Puder desinfiziert. Alles was eben für eine schnelle Heilung nötig ist. Nach ein paar Minuten springt das quietschvergnügte Ferkel wieder herum (ja!!!) und nach ein paar Tagen sind die Wunden vollständig verheilt. Und man sollte es nicht glauben, nicht jedes kastrierte Schwein trägt den Rest seines Lebens dieses böse und unmenschliche Trauma mit sich herum. Fragt mal einen gläubigen Juden ob seine Beschneidung schmerzhaft für ihn war!

      Ich möchte hier die Meinung von niemanden schlecht reden, aber wenn ich mir diese Seite ansehe und sehe unter welchen „objektiven“ Gesichtspunkten die Verantwortlichen agieren, muss ich mir Zeit nehmen hier zu posten.
      Ich kann verstehen dass einige Dinge auf dieser Seite sehr unappetitlich und barbarisch wirken, man muss jedoch den ganzen Ablauf bewerten. Wenn man bestialische Geschichten in Märchenform erzählt die vom kleinen fröhlichen Ferkel und deren Welt handelt kann man aus journalistischer Sicht nicht ernstgenommen werden.
      Was ich hier vor allem als störend empfinde ist das Schlechtreden der österreichischen Landwirtschaft.
      Um eines klar zu stellen:
      Es können sich weit mehr Länder an Österreich ein Beispiel nehmen als umgekehrt! Nirgendwo sonst wird so viel in die Erhaltung der bäuerlichen Kleinstrukturen investiert wie in Österreich. Durch staatlich initiierte EU-Förderungen wird es den österreichischen Landwirten erst ermöglicht so kunden- und tierorientiert zu handeln. Auch viele Auflagen die in Österreich selbstverständlich sind könnte man sich in anderen Ländern nicht vorstellen.
      Nehmen wir das Beispiel von den Niederlanden, dieses Land muss ja Vorreiter in der Viehzucht sein, wenn es die narkosefreie Kastration abschaffen wird. In den Niederlanden beläuft sich der gesamte Schweinebestand auf 11,7 Mio. Tiere, das ergibt bei 8.693 Schweinehaltern einen Bestand von 1.300 Schweinen pro Betrieb. In Österreich sind es im Gegensatz dazu im Schnitt 69 Schweine pro Betrieb. Über 1000 Mastschweine halten nur 1,5% der Betriebe in Österreich.
      Wenn jetzt dieses Land, dass zur Zeit über 2 Mio. Ferkel im Jahr exportiert und ein Exportwachstumsziel von 5 Mio. (!) Ferkeln
      pro Jahr hat, die Betäubung von Ferkeln bei der Kastration einführt ,muss sich dann Österreich ein Beispiel daran nehmen? Ist das nicht ein Weg in Richtung Industrialisierung den Ihr vermeiden wollt?

      Wie auch immer. In Österreich kann man getrost behaupten

      X dass fast jeder Schweinehalter seine Schweine beim „Vornamen“ kennt,
      X dass er das Futter für diese Schweine selbst erzeugt oder aus der Umgebung bezieht, und keine billige Sojaprodukte aus dem entfernten Ausland (die ohne Rücksicht auf Boden, Wasser und Co2-Produktion erzeugt werden) bezieht
      X darauf schaut, dass er nach Möglichkeit des Marktes tiergerecht produziert
      X das Fleisch mehrfach kontrolliert wird bis es auf den Markt kommt
      X dass das in Österreich erzeugte Fleisch frei von Wachstumshormonen ist
      X dass sich der/die LandwirtIn von der Bevölkerung schimpfen lassen muss wenn er für die Erhaltung kleinerer Strukturen subventioniert wird

      X DASS ÖSTEREICHISCHE LANDWIRTE KEINE TIERQUÄLENDE, SADISTISCHE UND BARBARISCHE UNGEHEUER SIND!!!!

      Einen schönen Tag wünscht Euch

      Einer der sich auskennt

    • Lieber bauerXY,

      ich würde gerne hoffen, dass Du mit Deiner Darstellung absolut Recht hast. Leider zeigt die Realität in den allermeisten Fällen ein anderes Bild. Der Preis für Fleisch ist so niedrig, dass sich eigentlich nur rentiert, sehr viele Schweine zu halten – und den Arbeitsaufwand möglichst gering zu halten. Unterhalte Dich bitte mal mit Schweinebauern, die werden Dir bestätigen, dass das so ist. Dieser Geiz der Menschen bei Lebensmitteln – gerade bei tierischen – führt zu dieser Abwärtsspirale beim Wohlbefinden der Nutztiere in unserem System.

      Und so kommt es leider, dass es nicht so ist, dass der Bauer Zeit hat, in Ruhe alle Tiere einzeln zu betreuen, ihnen Namen gibt und mit ihnen spielt. Verdeckte Recherchen haben leider immer wieder ergeben, dass tote Tiere oft erst nach Tagen aus den Buchten entfernt werden.

      Die Kastration junger Ferkel ist selbst unter Mäster/innen, Schlachthofbetreiber/innen und Politiker/innen heftig umstritten. Fachleute der EU sagen eindeutig, dass es erhebliche Schmerzen und langanhaltendes Leid erzeugt. Darum tritt der wissenschaftliche Ausschuss der EU-Kommission für Tiergesundheit und -wohlbefinden auch für die Abschaffung der betäubungslosen Kastration ein. Denn die Kastration findet nicht aus Gründen statt, die von unserem Tierschutzgesetz vorgesehen sind, um Eingriffe an Tieren vorzunehmen. Nur der Geschmack ist nicht Grund genug – schade, dass dies die Schweinehalteverordnung anders auslegt. Noch dazu gibt es Schlachthöfe, die seit Jahren ihren beliefernden Bäuer/innen die Ebermast erlauben (also die Mast ohne Kastration) und bei gleichem Schlachtgewicht keine Beschweren der Konsument/innnen über „Ebergeruch“ zu verzeichnen hat. Und selbst wer weiter an Ebergeruch glauben will (den es schon gibt, den aber die allermeisten Menschen gar nicht wirklich wahrnehmen) sollte einsehen, dass es auch andere Maßnahmen gibt. Kastration mit Betäubung oder eine seit Kurzem in der gesamten EU zugelassene Impfung, die das Hodenwachstum hemmt zum Beispiel.

      Bei Deiner abschließenden Aufzählung verwechselst Du das verschwindend kleine Bio-Schweine-Segment mit dem absolut überwiegenden Großteil der konventionellen Schweine-Mastbetriebe. Die konventionellen Tierhaltungsbetriebe beziehen einen beachtlichen Teil ihrer Futtermittel aus dem Ausland – z.B. den von Dir leider fälschlicherweise geleugneten billigen Sojaschrot aus Brasilien. Bis zu 60% der importierten Futtermittel sollen übrigens sehr wohl gentechnisch verändert sein. Denn der Anbau mag zwar verboten sein – der Import sicher nicht.

      Wo Du auf unserer Seite übrigens heraus liest, dass wir die gesamte österreichische Landwirtschaft schlecht reden, würde ich gerne genauer wissen. Ebenso verwundert mich Deine in Großbuchstaben geschriebene Richtigstellung – für die es gar keinen Anlass gibt. Niemand von uns hat dies je geschrieben oder behauptet. Wo steht das auf unserer Seite?

      Die Landwirte, da stimme ich voll und ganz mit Dir überein, leisten einen wichtigen Beitrag in unserer Gesellschaft: die Ernährung von uns allen. Nur diese Ernährung muss nicht auf Massentierhaltungsfleisch aus Intensivmast stammen, oder?

      Ich glaube übrigens nicht, dass Menschen, die Tiere halten, diesen bewusst und ständig weh tun wollen oder diese möglichst schlecht halten wollen. Ich glaube viel mehr, dass auch diese Landwirt/innen in einem Markt gefangen sind, dessen Konsument/innen nur auf billigste Preise schauen und damit den landwirtschaftlich tätigen Menschen nach und nach jede Möglichkeit genommen haben, sich wirklich intensiv um die Tiere zu kümmern – denn das kann er/sie sich schlichtweg nicht mehr leisten. Und in so einem System wird der/die Landwirt/in immer unkritischer gegenüber dem Leid der Tiere. Ein Landwirt hat es mir gegenüber mal mit dem Satz formuliert: „Naja, am Anfang fand ich vieles auch schlimm – da haben die mir schon leid getan – aber glaub mir: man härtet ab!“

      Die Züchter/innen und Mäster/innen fügen den Tieren allermeist nicht bewusst Leid zu – sie nehmen das Leid, das in solchen Tierhaltungen zwangsläufig entsteht, bewusst in Kauf.

    • Und hier, der Vollständigkeit halber, nun auch die Sicht der Wissenschaft auf die Kastration ohne Betäubung (2. Video)
      http://www.pig-vision.com/2009/10/30/die-heute-ubliche-schweinehaltung-ist-nicht-artgerecht/