Die Geburt aus Sicht der industriellen Tiernutzung

Die Mutter von X15, sowie deren Artgenossen, wurden in dem dokumentierten Betrieb vier Wochen nach dem Decken in Gruppen gehalten. Diese Gruppenhaltung endete eine Woche vor der bevorstehenden Geburt. In Betrieben, in denen weniger als 10 Sauen gehalten werden, dürfen die werdenden Muttersauen für diesen Zeitraum einzeln gehalten werden. Voraussetzung dafür ist, dass sie sich in ihrer Bucht ungehindert umdrehen können.

Die benutzbare Bodenfläche ist für jedes Tier in einer Gruppenhaltung genau definiert. Bei einer Gruppe bis zu 5 Tieren, schreibt das Gesetz für eine Jungsau 1,85 m² und eine Altsau 2,50 m² vor. Bei größeren Gruppen (über 40 Tiere) reduziert sich diese Fläche sukzessive um fast 20%.

Werden die werdenden Muttertiere einzeln gehalten, dann beträgt das Mindestmaß für eine Jungsauenbucht 1 m².

Eine Woche vor dem Geburtstermin wurde die Mutter von X15 in eine sogenannte Abferkelbucht verlegt. Dort bleibt sie während der gesamten Säugezeit, d.h. bis zum Absetzen der Ferkel. Unter Absetzen der Ferkel versteht man das Trennen der Ferkel vom Muttertier. Die Abferkelbuchten müssen so gestaltet sein, dass die Ferkel ungehindert gesäugt werden können. Bei den meisten Abferkelbuchten ist das Muttertier in einem sogenannten Kastenstand eingesperrt. Hinter dem Kastenstand muss aber genügend Platz frei sein, um ein selbständiges oder unterstütztes Abferkeln zu ermöglichen. Weiters sollte der Kastenstand so konzipiert sein, dass sich die Ferkeln beim Aufsuchen der Zitzen bzw. Kontaktaufnahme mit dem Muttertier nicht verletzen können. Die Mindestfläche der Abferkelbuchten einschließlich des Liegenestes beträgt bei Saugferkel je nach Körpergewicht 4 m² bis 5 m² pro Muttersau.

Im Durchschnitt liegt die Ferkelzahl bei 10 Tieren pro Geburt. Die ersten Anzeichen der bevorstehenden Geburt sind Veränderungen im Vulvabereich des Muttertieres, die etwa eine Woche vor der Geburt auftreten. Der Bereich um die Vulva zeigt eine teigige (=ödematöse) Anschwellung. Ca. sechs Stunden vor der Geburt des ersten Ferkels, setzt reichlicher Milchfluss ein. 24 Stunden vor der bevorstehenden Geburt wird das Muttertier sehr unruhig. Sie zeigt häufigen Lagewechsel sowie Nestbauverhalten. Ungefähr eine Stunde vor der Geburt des ersten Ferkels wird eine Seitenlage eingenommen.

Die Geburt von X15 beginnt am 26.06.2009 um 7.15 Uhr. X15 kommt als drittes Ferkel auf die Welt. Sein Körpergewicht beträgt 1.530 Gramm. Sofort nach der Geburt beginnt er mit seinen ersten Gehversuchen. Zunächst muss sich X15 von der Nabelschnur, die nahe der Plazenta abreißt, trennen. Danach beginnt er bereits seine Umgebung zu erkunden.

Die Mutter von X15 versucht – soweit ihre fixierte Lage es erlaubt, ihre Ferkel in Sichtweite zu haben. Während der Geburt sollte die betreuende Person anwesend sein, um bei Komplikationen sofort Hilfe zu leisten, bzw. den betreuenden Tierarzt zu verständigen. Es ist wichtig, dass jedes Ferkel so rasch wie möglich Kolostrum trinkt. Kolostrum ist ein unmittelbar nach der Geburt von der Milchdrüse abgegebenes Sekret, das höheren Gehalt an Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen sowie Leukozyten besitzt. Die Aufnahme von Immunglobulinen aus dem Kolostrum ist für eine passive Immunisierung der Ferkel von großer Bedeutung. Wichtig ist auch das Vorkommen von Antikörpern gegen stallspezifische Infektionserreger.

Bereits morgen beginnt für X15 und seine Geschwister der Ernst des Lebens.

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    • Antonietta

      In vielen Mastbetrieben werden die Muttersauen nach wie vor in kaum zwei Quadratmeter großen Kastenständen gehalten, damit sie ihre Ferkel nicht erdrücken. Die Stände sind so eng, daß die Sauen sich nur mühsam hinlegen und schwer aufstehen können. Umdrehen und Laufen sind ebensoweing möglich. Außerdem verletzen sich die Tiere in den engen Ständen leicht. Häufig zeigen Sauen, die ohne Einstreu gehalten werden, eine Verhaltensstörung, die als „Trauern“ bezeichnet wird. Die Tiere hocken auf ihren Schenkeln und lassen den Kopf hängen. Mangelnde Bewegung führt zudem dazu, daß sich die Tiere nicht mehr fortbewegen können, und daß körperliche Schäden wie Klauen- und Gelenkverletzungen sowie Fruchtbarkeitsstörungen auftreten.

    • Tobias

      Es ist erstaunlich wie viel sie über die Sauenhaltung denken zu wissen, aus ihrem Bericht über die Sauenhaltung kann ich daraus schliessen das sie noch nie in ihrem Leben in einem Zuchtbetrieb!!! das sind die Betriebe mit Sauen gearbeitet oder geschweige denn besichtigt haben. Wenn diese Art die Tiere zu halten wirklich zu Fruchtbarkeitsstörungen führen würde und somit auch zu einem Unwohlsein der Tiere dürften die Sauen ja gar keine Ferkel mehr bekommen können. Die Natur hat bei jedem Lebewesen einen Mechanismus in die Genetik eingebaut der bei schlechter Gesundheit verhindert das sich die Tiere oder auch Menschen fortpflanzen können. Nun wenn die Tiere wirklich so schlecht gehalten werden wie sie es meinen bedeutet das noch lange nicht das es den Tieren auch wirklich schlecht geht. Ich denke jeder erfolgreiche Landwirt ist darum bemüht seine Tiere möglichst gesund zu halten denn nur gesunde Tiere erbringen auch eine Leistung. Deswegen kann ich es nicht verstehen wie man etwas beurteilen kann oder will wenn man davon absolut keine Ahnung hat!!!! Tschuldigung aber das musste ich jetzt mal loswerden