Die Geburt aus der Sicht des Tierschutzes

Schon eine Woche vor der Geburt von X15 und X11 kam das Mutterschwein in eine sogenannte Abferkelbucht. Dort sperrt man sie in ein „Abferkelgitter“, ein körpergroßes Metallgitter. Dieses Metallgitter – 65 cm breit und 190 cm lang- ist wahrhaftig ein Gefängnis – gerade so groß wie das Schwein selbst. Derart eingezwängt, muss sie ihre Kinder zur Welt bringen – auf nacktem Betonboden und eingepfercht in ein Gitter.

In freier Natur bauen Schweinemütter große bequeme Nester, um dort eingebettet die Babies zu Welt zu bringen. Dazu heben sie zunächst eine Grube aus und tragen dann Unmengen an Ästen und weichem Material für das Nest zusammen. In österreichischen Schweinebetrieben, so wie auch in dem hier dokumentierten Betrieb, gibt es keine Möglichkeit ein Nest zu bauen. Das wäre ja nicht „wirtschaftlich“, aus der Sicht des Züchters. Trotzdem zeigen die Schweine oft Nestbauverhalten, d.h. sie graben oder kratzen mit den Beinen am Boden. Aber diesem Grundbedürfnis können die Mutterschweine in herkömmlichen Betrieben nicht nachgehen.

Wenn die Ferkel zur Welt kommen, ist es der von Natur aus sehr fürsorglichen Mutter daher auch unmöglich, sich um ihre Babies zu kümmern. Eingezwängt liegt sie in dem Gitter, kann sich nicht rühren. Die Ferkel können unter den Metallstangen zum Gesäuge der Mutter kommen. Die industrielle Tierhaltung befürchtet, dass ohne Abferkelgitter die Mutter eines der Kinder totbeißen oder beim Niederlegen zerdrücken könnte. Was kein Wunder wäre, bei dieser Haltung! In freier Natur, bei ausreichend Platz und einer wirklichen Beziehung zwischen Mutter und Kind passiert das jedenfalls erwiesenermaßen nicht.

Aber es geht hier, bei genauerem Hinsehen, ja auch wiederum nur um wirtschaftliche Produktion, um Kostenminimierung und Gewinnmaximierung, das Wohl der Tiere ist zweitrangig.

Im Video von der Geburt sieht man deutlich diese Kosten/Nutzenrechnung: Die Ferkel werden geboren und liegen sofort auf dem Vollspaltenboden, am kalten nackten Beton – und die Mutter kann ihnen nicht helfen. Die Mutter möchte Kontakt zu ihren Kindern, sie beschnuppern, lecken, aber all das bleibt ihr verwehrt.

Gruppenhaltung
In dem Betrieb, in dem X15 und X11 zur Welt gekommen sind, dürfen die Muttersauen zeitweilig in einer Gruppenhaltung leben. Ab 2013 ist die Gruppenhaltung von Sauen in Österreich durch das Gesetz sogar für alle Betriebe vorgeschrieben.

Aber was bedeutet diese scheinbare Verbesserung wirklich?
Da es weiter verschiedenste Ausnahmen geben wird, bedeutet dies im Endeffekt, dass sich das Zuchtschwein in einem Zyklus von Geburt bis zur nächsten Geburt 11 Wochen frei bewegen darf, aber 9 Wochen noch immer ihr tristes Dasein im Kastenstand fristet. Fast die Hälfte ihres Lebens werden die Zuchtschweine also auch weiterhin in Einzelhaltung, in einem Gitter eingepfercht leben müssen.

Bei der hitzigen Diskussion über diese sogenannten Verbesserungen, gegen den massiven Widerstand der Landwirtschaft geht oft die zentrale Frage unter:

Was, außer das Recht des Stärkeren, lässt uns diese intelligenten, freundlichen Lebewesen zu reinen, gequälten Geburtsmaschinen degradieren?

    • sabrina

      ich krieg so eine wut wenn ich das sehe.. und bin gleichzeitig verdammt traurig.. eingesperrt gehoeren die menschen die sowas mit schweinen machen!!!

      Die Frage lautet: wer ist hier das SCHWEIN?!
      GIERIG wie ein Schwein!!!!

    • Ich kann deine Emotionen sehr gut verstehen. Dennoch sollte man sich die Frage stellen, ob die Menschen, die so mit Schweinen umgehen, eingesperrt gehören. Alles was in den Videos passiert ist legal und dient der Erzeugung von Schweinefleisch für die Menschen, die Schweinefleisch nachfragen indem sie es kaufen und essen. Darum gibt es diese Kampagne um den Verbrauchern in eine Welt Einblick zu gewähren, die sie sonst nie zu Gesicht bekämen. Was dann jeder Mensch mit diesem Wissen macht ist ihm selbst überlassen.

    • Alexander

      Es ist unglaublich. Mir fehlen die richtigen Worte, um diesen Film angemessen kommentieren zu können. Geht das denn überhaupt? Es ist verachtenswert, wie mit den Tieren umgegangen wird. Das Tier wird nur noch als Wirtschaftsgut behandelt, um es einmal freundlicher zu formulieren. Dennoch bleibt es eine riesen „Sauerei“ was da wie gemacht wird.
      Aber an alle, die sich hier engagieren, ich vermisse die breite Öffentlichkeitsarbeit über diese Zustände. Warum? Die breite Öffentlichkeit muss gewonnen werden, um etwas zum Wohle der betroffenen Tiere ändern zu können. Über so etwas müssen die Medien berichten. Das Thema darf nicht nur im Kreise derer behandelt werden, die sich sowieso für Tiere engagieren. Auch ich bin nur per Zufall im Internet darauf gestoßen über eine Internetplattform. Die breiten Medien, auch die Printmedien, müssen einbezogen werden. Ich weiß, dass dies schwer ist, weil Chefredaktionen auch bereit sein müssen, darüber zu berichten!!!