Das Schwängern aus Sicht der landwirtschaftlichen Tiernutzung

X15 ist ein männliches Ferkel, dessen Vater ein Landrasse-Eber und dessen Mutter eine Edelschwein-Zuchtsau ist. Sein ungeborenes Leben begann am 02.03.2009 mittels künstlicher Besamung seiner Mutter. Doch schon davor war sein Leben das Produkt einer umfangreichen generalstabsmäßigen Planung.

In größeren Schweinebetrieben, wie der, in welchem X15 das Licht der Welt erblicken wird, ist die künstliche Besamung ein terminorientierter Ablauf. Somit kann man im Betrieb die einzelnen Stallabteilungen wie Deckstall, Wartestall oder Abferkelstall im sogenannten Rein-Raus-Verfahren bewirtschaften, das heißt, Gruppen von Schweinen werden je nach Produktionsstufe in die entsprechenden Stallabteilungen ein- bzw. ausquartiert.
Diese terminorientierte Besamung bei einer Gruppe von Schweinen bezeichnet man auch als Brunstsynchronisation, die Gleichschaltung des Auftretens der Brunst. Vorrausetzung dafür ist die Verabreichung einer Hormoninjektion an die Zuchtsauen, was besonders beim Frühabsetzen erforderlich ist. Frühabsetzen heißt, dass die Saugferkel – die noch säugenden Ferkel – bereits im Alter von 3 Wochen vom Muttertier getrennt werden.
Durch diese Hormonbehandlung könnte die Mutter von X15 nach bereits 4 bis 7 Tagen nach der Trennung von ihrem Ferkel erneut besamt werden.

Die Gesamtheit des Sexualzyklus wird bei der Sau als Rausche bezeichnet. Zum Beginn der Brunst produzieren reifende Follikel große Östrogenmengen, die das Sexualverhalten stimulieren. Um die Bereitschaft zur Paarung (Brunst) bei der Mutter von X15 zu überprüfen, ließ man einen sogenannten Sucheber im Deckstall, der ersten Stallabteilung im Produktionszyklus der Schweineerzeugung, patrollieren. Bei der Sau, die für den Deckakt bereit ist, bleibt dann der Sucheber stehen, man spricht von der Duldungsphase.
Denn wird die Zuchtsau zu einem zu frühen Zeitpunkt künstlich besamt, kann es passieren, dass die Zuchtsau erfolglos belegt wird und die Brunstsymptome kehren wieder, man spricht vom Umrauschen. Erfolgt die künstliche Besamung zu spät, wachsen lebensunfähige Embryonen heran.
So erfolgte bei der Mutter von X15 während der Duldungsphase die künstliche Besamung zweimal im Abstand von 12 Stunden, da nur dadurch wegen der unterschiedlichen Dauer der Duldungsphase eine optimale Befruchtung nach Östrusbeginn, der Brunst, zu sichern ist.

Nach der künstlichen Besamung wurde das Muttertier in einem ruhigen Wartestall, der nächsten Stallabteilung im Produktionsprozess, untergebracht, „aufgestallt“, da Ruhe und Absonderung der Muttertiere für das Heranwachsen der Embryonen sehr förderlich ist.
In der Regel ist eine Zuchtsau mindestens zwei Mal pro Jahr trächtig, statistisch gesehen 2 ¼-mal pro Jahr. X15 wird nach einer Trächtigkeitsdauer von 114 Tagen, plus minus 4 Tage, Ende Juni 2009 das Licht der Welt erblicken.
Er wird dann in einem geschlossenen Betrieb geboren werden, das heißt, dass dieser Betrieb keine Schweine von anderen Betrieben zukauft, selbst Jungsauen produziert und den anderen Teil der Ferkel mästet.

In diesem Schweinebetrieb gelten strenge Hygienemaßnahmen. Der Betrieb ist klimatisiert und besitzt eine Personalschleuse. Nur über diese Schleuse werden die Stallungen betreten, und dies ist nur dem Betriebspersonal und dem Tierarzt gestattet. Das Tragen von betriebseigener Schutzkleidung gehört zum Hygienemanagement. Standardimpfungen in diesem Schweinebetrieb sind die Vorsorge gegen die Krankheiten Parvovirose und Rotlauf sowie Rhinitis. Außerdem werden die Ferkel gegen Mykoplasmen, das sind Bakterien, welche die Lunge angreifen, durch Schutzimpfungen geschützt.
X15 wird dann in diesem Betrieb bis zum Erreichen des Mastgewichtes von 110 kg Körpergewicht aufgestallt bleiben.

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